Das IPPAF-Schema

Alle körperlichen Untersuchungen folgen einem logischen Ablauf, der sich gut merken lässt. Im medizinischen und pflegerischen Kontext hat sich dafür das IPPAF-Schema etabliert . Das ist dein roter Faden.

📋 Das IPPAF-Schema – Die Basis jeder Untersuchung

Schritt Bedeutung Was macht man? Typische Beispiele
I Inspektion Betrachten (Anschauen) Hautfarbe, Körperhaltung, Symmetrie des Brustkorbs, Wunden, Ödeme
P Palpation Abtasten (Fühlen) Druckschmerz, Temperaturunterschiede, Pulsqualität, Erhebung von Massen (Tumore, vergrößerte Organe)
P Perkussion Abklopfen (Hören) Beurteilung der Lungenbelüftung (sonorer Klang vs. Dämpfung bei Erguss), Bestimmung von Organgrenzen (z.B. Lebergröße)
A Auskultation Abhören (Hören) Beurteilung von Herz-, Lungen- und Darmgeräuschen, Messung des Blutdrucks
F Funktionsuntersuchung Testen von Funktionen Reflexe prüfen (Patellarsehnenreflex), Pupillenreaktion, Kraftgrade, Bewegungsumfänge der Gelenke

🔬 Vertiefung: Wichtige Untersuchungstechniken im Detail

Hier kommt der Teil, den du direkt in dein CMS übernehmen kannst. Die Tabelle ist nach den Schritten des IPPAF-Schemas sortiert und bietet dir einen schnellen Überblick über die gängigsten Techniken.

Kategorie Untersuchung Ziel / Was wird beurteilt? Besonderheiten für die Pflege
Inspektion Allgemeine Beobachtung Allgemeinzustand (AZ), Ernährungszustand (EZ), Bewusstseinslage, Körperhaltung, Gangbild, Hautkolorit (Blässe, Zyanose, Ikterus) Beginnt schon beim Eintritt ins Zimmer: Wie kommt der Patient rein? Wirkt er schmerzgeplagt?
Gezielte Hautinspektion Hautturgor (altersabhängig!), Verletzungen, Ekzeme, Dekubitus (v.a. an Gefährdungsstellen), Nägel (Längsrillen, Splitterblutungen, Pilzbefall) Besonders wichtig bei immobilen Patienten. Immer auch die Hautfalten kontrollieren!
Palpation Puls tasten Frequenz, Rhythmus, Spannung (Füllungszustand). An verschiedenen Stellen: Radialispuls (Handgelenk), Karotispuls (Halsschlagader), Fußpulse. "30 Sekunden mal zwei" ist die Faustregel zur Ermittlung der Frequenz bei regelmäßigem Puls.
Abdominale Palpation Abwehrspannung (Abwehrspannung = peritoneale Reizung?), Resistenzene, Druckschmerz (lokalisierbar? Wo genau?). Die schmerzhafteste Stelle wird zuletzt getastet! Bei Bauchschmerzen zuerst Auskultieren (Darmgeräusche hören), da Palpation die Darmtätigkeit anregen und das Bild verfälschen kann!
Ödem-Test Druck mit der Fingerkuppe für einige Sekunden auf eine mögliche ödematöse Stelle (z.B. Knöchel, Schienbein). Bleibt eine Delle sichtbar? → Dellenödem (bei kardialen/renalen Ödemen). Immer beidseits untersuchen und vergleichen.
Perkussion Lungenperkussion Beurteilung des Schallwechsels. Normaler Klang ist sonor. Hypersonorer Klang (z.B. bei Lungenemphysem), gedämpfter Klang (z.B. bei Pleuraerguss, Pneumonie). Erfordert etwas Übung, ist aber ein wichtiges Instrument zur Früherkennung von Beatmungsproblemen.
Herzperkussion (Selten in der Pflegepraxis) Ungefähre Bestimmung der Herzgröße. Klassische ärztliche Technik, aber das Wissen darum hilft beim Verständnis von Herzerkrankungen.
Auskultation Blutdruck messen Systolischer und diastolischer Blutdruckwert. Auskultatorisch mit dem Stethoskop über der Arteria brachialis (die Korotkow-Geräusche hören). Die genaueste Methode. Wichtig: Richtige Manschettengröße!
Lungenauskultation Beurteilung der Atemgeräusche: Vesikulär (normal), verschärft, abgeschwächt. Beurteilung von Nebengeräuschen: Rasselgeräusche (feinblasig vs. grobblasig), Giemen, Brummen. Der Patient sollte tief durch den Mund ein- und ausatmen. Vorne, hinten und seitlich hören!
Darmauskultation Beurteilung der Darmgeräusche: Normale, lebhafte, abgeschwächte oder fehlende Peristaltik (bei Ileus!). Vor der Palpation durchführen! Mindestens eine Minute pro Quadrant zuhören.
Herzauskultation Beurteilung von Herzton und -rhythmus. Erkennen von Herzgeräuschen (pathologisch? z.B. bei Klappenfehlern). Über den verschiedenen Herzklappenregionen ableiten. Erfordert viel Übung.
Funktions-untersuchung Neurologische Untersuchung Bewusstseinsgrad (wach, somnolent, komatös), Pupillenreaktion (direkte und konsensuelle Lichtreaktion), Motorik (Kraft, Tonus), Sensibilität, Koordination, Reflexe (z.B. Patellarsehnenreflex, Babinski-Reflex). Die Pupillenkontrolle ist z.B. nach Schädel-Hirn-Trauma oder bei neurologischen Patienten essentiell.
Orthostase-Test Blutdruck- und Pulsmessung im Liegen, direkt nach dem Aufstehen und nach 3 Minuten Stehen. Ein systolischer Abfall >20 mmHg oder Symptome deuten auf eine orthostatische Dysregulation hin. Besonders wichtig bei älteren Patienten, um Sturzrisiken zu minimieren.
Gelenkfunktion Prüfung des Bewegungsumfangs (Neutral-Null-Methode) und der Stabilität von Gelenken. Zur Beurteilung von Mobilitätseinschränkungen und zur Verlaufsdokumentation.

💡 Integration in dein bestehendes CMS

Hier siehst du, wie dieses Thema perfekt in die von dir bereits angelegten Strukturen passt:

  • Krankheitsverläufe & ZustandsformenFunktionsuntersuchung (z.B. um den Schweregrad einer Herzinsuffizienz zu beurteilen).
  • Störungen der Homöostase (z.B. Hypoxie, Hyperkapnie) → Auskultation der Lunge und Pulsoxymetrie.
  • Pathologische Prozesse (z.B. Entzündung) → Palpation (Druckschmerz, Schwellung, Überwärmung).
  • Medizinische Ortsbezeichnungen (lateral, medial etc.) → Werden bei der Inspektion und Palpation ständig benötigt, um Befunde genau zu lokalisieren.

📚 Quellen & Weiterführendes

Ein Großteil dieses Wissens ist Standard in der medizinischen und pflegerischen Ausbildung und in Werken wie dem "Clinical Methods" oder "Auskultation und Perkussion" nachzulesen.

Wenn du zu einer dieser Techniken eine noch detailliertere Ausarbeitung brauchst, lass es mich wissen! Zum Beispiel könnte ich für Lunge oder Abdomen eine extra Seite mit den spezifischen Untersuchungsabläufen erstellen.