Fallbeispiel 01 deku
🧑⚕️ Fallbeispiel
Herr Karl M., 78 Jahre alt, verwitwet, lebt allein in einer Mietwohnung im 2. Stock ohne Aufzug. Er wurde nach einem Sturz in der Wohnung mit einer medialen Schenkelhalsfraktur rechts ins Krankenhaus eingeliefert und operativ mittels Hüft-TEP versorgt.
Postoperativ ist Herr M. wach und orientiert, wirkt jedoch erschöpft. Er klagt über starke Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte (NRS 7/10 bei Bewegung, 3/10 in Ruhe).
Er bewegt sich nur zögerlich, vermeidet Lagewechsel und benötigt Unterstützung beim Aufsetzen im Bett. Die Mobilisation mit Physiotherapie wurde begonnen, gelingt jedoch nur mit Hilfe von zwei Personen.
Weitere Beobachtungen:
Appetit reduziert
trinkt wenig (ca. 800 ml/Tag)
trockene Lippen
Haut insgesamt dünn und trocken
Rötung im Sakralbereich
unsicher beim Umgang mit Unterarmgehstützen
äußert Angst, erneut zu stürzen
schläft schlecht aufgrund von Schmerzen
BMI 20
Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, leichte Herzinsuffizienz (NYHA II)
Medikation u.a.:
Schmerztherapie nach Schema
Antihypertensivum
Thromboseprophylaxe s.c.
📝 Pflegeplanung nach Fiechter & Meier
1️⃣ Informationssammlung (SIS)
Themenfeld: Mobilität und Beweglichkeit
postoperative Einschränkung nach Hüft-TEP
Schmerzen bei Bewegung
unsicher im Umgang mit Gehhilfen
Angst vor erneutem Sturz
erhöhte Sturzgefahr
Themenfeld: Schmerz
NRS 7/10 bei Bewegung
Schlafstörungen durch Schmerzen
Themenfeld: Haut und Gewebe
trockene, dünne Haut
Rötung sakral (Dekubitusrisiko!)
eingeschränkte Mobilität
Themenfeld: Flüssigkeit und Ernährung
reduzierte Trinkmenge (800 ml)
verminderter Appetit
BMI im unteren Normbereich
Themenfeld: Psychosoziale Situation
lebt allein
äußert Angst vor Pflegebedürftigkeit
wirkt niedergeschlagen
2️⃣ Ressourcen
Trotz allem bringt Herr M. auch einiges mit:
voll orientiert (zeitlich, örtlich, situativ)
kooperativ und einsichtig
motiviert zur Mitarbeit bei Physiotherapie
kann Oberkörper selbstständig waschen
kann Schmerzen klar benennen
versteht Anleitungen
stabile Kreislaufsituation
Und das ist wichtig: Ressourcen sind keine „Deko“, sondern dein Ansatzpunkt für Förderung.
3️⃣ Pflegeziele Problem 1: Eingeschränkte Mobilität
Kurzfristiges Ziel (3 Tage):
Herr M. mobilisiert sich mit Unterstützung einer Pflegekraft und Gehhilfen sicher bis zum Toilettenstuhl.
Mittelfristiges Ziel (1–2 Wochen):
Herr M. mobilisiert sich mit Unterarmgehstützen selbstständig über 20 Meter.
Problem 2: Akuter Schmerz
Kurzfristiges Ziel:
Schmerz unter Bewegung ≤ NRS 4.
Schmerz in Ruhe ≤ NRS 2.
Problem 3: Dekubitusrisiko
Ziel:
Keine Hautläsionen.
Rötung sakral bildet sich innerhalb von 3 Tagen zurück.
Problem 4: Flüssigkeitsdefizit-Risiko
Ziel:
Trinkmenge ≥ 1500 ml/Tag.
Haut und Schleimhäute feucht und elastisch.
Problem 5: Angst vor Sturz
Ziel:
Herr M. äußert Sicherheit im Umgang mit Gehhilfen.
nimmt aktiv an Mobilisationsübungen teil.
4️⃣ Pflegemaßnahmen Mobilität
Mobilisation 2–3× täglich nach ärztlicher Vorgabe
Anleitung und Sicherung bei Transfers
Zusammenarbeit mit Physiotherapie
Sturzprophylaxe (rutschfeste Schuhe, Klingel erreichbar)
Umfeld sichern (keine Stolperfallen)
Schmerzmanagement
Schmerzassessment mit NRS vor und nach Mobilisation
Analgetika nach ärztlicher Anordnung verabreichen
Wirkungskontrolle dokumentieren
Lagerung zur Entlastung
Mobilisation zeitlich an Schmerzmittelgabe anpassen
Dekubitusprophylaxe
Lagerungswechsel alle 2 Stunden
Wechseldruckmatratze prüfen
Hautinspektion 1× täglich
Hautpflege mit pH-neutralen Produkten
Förderung der Eigenbewegung
Flüssigkeitsförderung
Trinkprotokoll führen
Getränke sichtbar und erreichbar platzieren
Wunschgetränke erfragen
Trinkangebote regelmäßig anbieten
ggf. Arzt informieren bei anhaltend niedriger Trinkmenge
Angstbewältigung
Gespräche anbieten
über Heilungsverlauf informieren
kleine Fortschritte positiv verstärken
Anleitung im sicheren Umgang mit Gehhilfen
Einbeziehung des Sozialdienstes für Entlassungsplanung
Wenn du möchtest, Don, kann ich dir:
die Schritte 5 & 6 (Durchführung & Evaluation) noch ausarbeiten
oder das Ganze prüfungstauglich als „perfekte Musterlösung“ formulieren
oder ein zweites Fallbeispiel (z. B. neurologisch, dementiell, COPD etc.)
Sag nur Bescheid 😄
ja
Sehr gut, Don 😄 Dann machen wir das Ding prüfungsreif und ziehen es sauber durch.
Wir ergänzen jetzt:
5️⃣ Durchführung der Pflege 6️⃣ Evaluation
nach Fiechter & Meier – strukturiert, fachlich sauber und so formuliert, dass jede Praxisanleitung zufrieden nickt.
5️⃣ Durchführung der Pflege
Die geplanten Maßnahmen werden:
geplant umgesetzt
interdisziplinär abgestimmt
kontinuierlich dokumentiert
an den Zustand des Patienten angepasst
Durchführung im Fall von Herrn M. 🦴 Mobilisation
Mobilisation 3× täglich unter Berücksichtigung der Schmerzmedikation
Transfers mit Rutschbrett bzw. Gehstützen unter Anleitung
Anleitung zur Eigenaktivität („So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich“)
Sturzprophylaxe konsequent umsetzen
Zusammenarbeit mit Physiotherapie
Dokumentation:
Mobilisationsstrecke
benötigter Unterstützungsgrad
Unsicherheiten oder Komplikationen
💊 Schmerzmanagement
NRS-Erhebung vor und 30–60 Minuten nach Analgetikagabe
Beobachtung auf Nebenwirkungen (z. B. Obstipation, Sedierung)
rechtzeitige Bedarfsmedikation vor Belastung
schmerzlindernde Lagerung
Dokumentation:
Schmerzintensität
Wirksamkeit
Verträglichkeit
🛏 Dekubitusprophylaxe
2-stündlicher Lagewechsel
tägliche Hautinspektion
Beobachtung der sakralen Rötung
Druckentlastung
Förderung kleinster Eigenbewegungen
Dokumentation:
Hautzustand
Veränderungen
Maßnahmen
💧 Flüssigkeitsmanagement
Trinkprotokoll führen
Trinkangebote alle 1–2 Stunden
bevorzugte Getränke anbieten
Motivation zur Selbstständigkeit
Dokumentation:
tatsächliche Trinkmenge
Akzeptanz
🧠 Psychosoziale Unterstützung
tägliches kurzes Gespräch
Sicherheit im Umgang mit Gehhilfen üben
positive Rückmeldung bei Fortschritten
ggf. Kontakt Sozialdienst
Dokumentation:
geäußerte Ängste
Entwicklung der Motivation
6️⃣ Evaluation
Hier entscheidet sich alles, Don. Die Frage lautet immer:
👉 Wurde das Ziel erreicht? 👉 Wenn nein – warum nicht? 👉 Was muss angepasst werden?
Evaluation im Fallbeispiel Mobilität
Nach 5 Tagen:
Herr M. mobilisiert sich mit 1 Pflegekraft 25 Meter.
Umgang mit Gehstützen deutlich sicherer.
➡ Ziel teilweise erreicht → Ziel anpassen auf selbstständige Mobilisation mit Aufsicht.
Schmerz
NRS bei Bewegung 4/10
in Ruhe 2/10
➡ Ziel erreicht → Schmerztherapie beibehalten.
Hautzustand
Sakrale Rötung rückläufig
keine Läsion
➡ Ziel erreicht → Prophylaxe fortführen.
Trinkmenge
1400 ml/Tag
➡ Ziel fast erreicht → weitere Motivation notwendig.
Angst
äußert sich deutlich sicherer
beteiligt sich aktiv an Übungen
➡ Ziel im positiven Verlauf.
🔎 Wichtig für Prüfungen
Typische Fehler:
❌ Ziele nicht messbar formulieren ❌ Maßnahmen ohne Bezug zum Ziel ❌ Evaluation vergessen ❌ Ressourcen nicht genutzt
Merksatz: Problem → Ziel → Maßnahme → Evaluation Alles muss logisch zusammenpassen.