Fallbeispiel 02 COPD


Teil 1: Schriftliche Informationen (wie im Stationsalltag)

a) Patientenakte / Arztbrief / vorhandene Dokumente

🗂️ Patientenstammdaten

Name: Becher, Anna
Alter: 69 Jahre
Familienstand: verwitwet
Wohnsituation: alleinlebend, 2-Zimmer-Wohnung, 3. Stock mit Aufzug
Aufnahmegrund: akute Exazerbation bei COPD
Aufnahmedatum: heute

🩺 Ärztlicher Aufnahmebrief (Auszug)

Diagnosen:
COPD GOLD III
Akute Exazerbation
Arterielle Hypertonie
Nikotinabusus (40 Pack Years, aktuell rauchfrei seit 6 Monaten)
Anamnese:
Patientin stellt sich mit zunehmender Dyspnoe, produktivem Husten und Erschöpfung vor. Belastungsdyspnoe bereits bei kurzen Gehstrecken. Nächtlicher Husten, vermehrt zähes Sputum. Kein Fieber.
Aktuelle Befunde:
SpO₂: 89 % bei Raumluft
Atemfrequenz: 24 /min
Blutdruck: 150/90 mmHg
Puls: 92 /min
Temperatur: 36,8 °C
Therapie:
Sauerstoff 2 l/min über Nasenbrille (Ziel-SpO₂ 88–92 %)
Inhalationstherapie (SABA + Anticholinergikum)
Kortikosteroide i.v.
Atemtherapie angeordnet
Sekretmobilisation

💊 Medikationsplan (Auszug)

Salbutamol Dosieraerosol bei Bedarf

Tiotropium 1× täglich

Prednisolon i.v.

Ramipril

Thromboseprophylaxe s.c.

📄 Weitere wichtige Dokumente in der Praxis

(Sehr prüfungsrelevant!)

Pflegeüberleitungsbogen (noch leer)

Sturzrisiko-Einschätzung (noch ausstehend)

Ernährungsstatus (BMI nicht dokumentiert)

Schmerzassessment (noch nicht erhoben)

Atemtherapie-Verordnung

Frühere Krankenhausberichte (liegen nicht vor)

👉 Merke: Nicht alles ist da. Vieles fehlt. Willkommen im echten Leben 😄

🧑‍⚕️ Teil 2: Aufnahmegespräch – realistisch & ungefiltert

Jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Hier steckt Gold drin – und viel Müll. Genau wie im Alltag.

🗣️ Gesprächssituation

Pflegekraft: „Guten Tag Frau Becher, mein Name ist Barbara, ich bin heute für Sie zuständig. Ich möchte mit Ihnen das Aufnahmegespräch führen. Ist das in Ordnung für Sie?“

Patientin: „Ja… also ja, aber ich bin ein bisschen kurzatmig gerade.“

🔹 Allgemeiner Eindruck (für dich als Leser)

sitzt im Bett mit erhöhtem Oberkörper

atmet sichtbar angestrengt

spricht in kurzen Sätzen

hustet zwischendurch

wirkt müde, aber freundlich

🗨️ Gespräch (Auszug)

PK: „Wie geht es Ihnen im Moment?“

Patientin: „Ach… naja. Ich hab kaum Luft. Das ist morgens immer schlimmer. Ich hab schon gedacht, ich schaff’s gar nicht mehr allein hierher.“

➡️ Wichtig ➡️ Keine SIS-Formulierung, aber wertvolle Info zur Belastung

PK: „Seit wann ist das so?“

Patientin: „Schon ein paar Tage. Aber gestern Nacht war’s richtig schlimm. Ich hab kaum geschlafen.“

PK: „Haben Sie Schmerzen?“

Patientin: „Nein, Schmerzen nicht. Nur dieser Druck auf der Brust, wenn ich keine Luft krieg.“

⚠️ Druck ≠ Schmerz – aber relevant!

PK: „Wie sieht es mit Husten aus?“

Patientin: „Ja, ständig. Schleim auch. Gelblich manchmal. Sorry, das ist eklig.“

➡️ (keine Sorge, Barbara bleibt professionell 😄)

PK: „Kommen Sie im Alltag allein zurecht?“

Patientin: „Meistens schon. Einkaufen geht, aber ich muss Pausen machen. Treppen gehen ist schlimm. Zum Glück hab ich einen Aufzug.“

➡️ Ressource + Einschränkung

PK: „Brauchen Sie zu Hause Hilfsmittel?“

Patientin: „Ich hab so ein Inhaliergerät… aber ehrlich gesagt benutze ich das nicht immer richtig, glaub ich.“

💥 Ganz wichtiger Satz, aber: → Analyse kommt später, nicht im Gespräch.

PK: „Rauchen Sie?“

Patientin: „Nein. Also… nicht mehr. Seit einem halben Jahr. Aber vorher… naja, lange.“

PK: „Wie sieht es mit Essen und Trinken aus?“

Patientin: „Essen… geht so. Ich hab keinen großen Hunger. Trinken vergesse ich oft.“

➡️ Hinweis auf potenzielles Risiko, aber noch keine Bewertung

PK: „Gibt es etwas, das Ihnen gerade besonders Sorgen macht?“

Patientin: „Ja. Dass ich irgendwann gar keine Luft mehr kriege. Und dass ich dann alleine bin.“

➡️ Psychosozial hochrelevant.

PK: „Gibt es etwas, wobei wir Sie besonders unterstützen sollen?“

Patientin: „Wenn mir jemand zeigt, wie ich richtig atmen kann… das wär gut. Diese Lippenbremse hab ich schon mal gehört.“

➡️ 💎 Ressource (Lernbereitschaft!)

🧾 Aussagen, die realistisch NICHT in die SIS gehen

„Das Essen hier im Krankenhaus schmeckt bestimmt auch nicht…“

„Mein Nachbar raucht immer noch auf dem Balkon.“

„Früher bin ich viel gereist.“

„Ich hoffe, ich komme bald wieder heim.“

➡️ menschlich wichtig ➡️ pflegerisch nicht alles verwertbar

🎯 Warum dieses Fallbeispiel perfekt für dich ist

Infos sind verteilt

manches ist relevant, manches nicht

Risiken sind noch nicht benannt

Ressourcen sind nicht offensichtlich

du musst auswählen, nicht nur abschreiben

Genau das, was du wolltest – und was in Prüfungen (und im Leben) passiert.

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