Impfung
Nein, Don, Impfungen gibt es nicht nur gegen Viren. Die meisten bekannten Impfungen richten sich zwar gegen Viren, aber es gibt auch Impfstoffe gegen Bakterien und sogar gegen einige bakterielle Gifte (Toxine).
Gegen Viren
Klassische Beispiele:
- Masern
- Mumps
- Röteln
- COVID-19
- Influenza
- Rotavirus-Infektion
Hier lernt das Immunsystem, bestimmte Virusbestandteile zu erkennen.
Gegen Bakterien
Es gibt ebenfalls zahlreiche bakterielle Impfungen:
- Diphtherie
- Keuchhusten
- Tetanus
- Pneumokokken-Erkrankung
- Meningokokken-Erkrankung
- Tuberkulose (BCG-Impfung, in Deutschland nicht Standard)
Gerade auf der Kinderstation wirst du Pneumokokken und Meningokokken häufig als Impfstatus in der Anamnese sehen.
Gegen bakterielle Gifte
Das ist besonders interessant:
Bei Tetanus und Diphtherie wird eigentlich nicht primär gegen das Bakterium geimpft, sondern gegen dessen Giftstoff.
Das Immunsystem bildet Antikörper gegen das Toxin. Wenn später das Bakterium eindringt, wird das Gift sofort abgefangen.
Man könnte sagen:
- Pneumokokken-Impfung → gegen das Bakterium
- Tetanus-Impfung → gegen die Waffe des Bakteriums 😁
Gegen Parasiten?
Hier wird es schwierig.
Parasiten sind viel komplexer als Viren oder Bakterien und haben oft raffinierte Mechanismen, um dem Immunsystem zu entgehen.
Für Menschen gibt es bislang nur wenige erfolgreiche Impfstoffe. Ein Beispiel ist:
- Malaria
Die Entwicklung war deutlich schwieriger als bei vielen Virusimpfstoffen.
Gegen Pilze?
Aktuell gibt es für Menschen keine allgemein zugelassenen Standardimpfstoffe gegen Pilzinfektionen.
Das liegt ebenfalls daran, dass Pilze biologisch viel komplexer sind als Viren.
Merkhilfe für die Pflege
Impfungen gibt es gegen:
- Viren ✅
- Bakterien ✅
- bakterielle Toxine ✅
- wenige Parasiten (z. B. Malaria) ✅
Keine etablierten Standardimpfungen gibt es derzeit gegen:
- die meisten Parasiten ❌
- Pilze ❌
Gerne, Don. Bei einigen historischen Zahlen muss man vorsichtig sein: Für Deutschland gibt es nicht für jede Krankheit exakte bundesweite Todeszahlen unmittelbar vor Einführung der Impfung. Die Angaben sind daher teilweise gerundet und beziehen sich auf Deutschland bzw. Westdeutschland vor flächendeckender Impfung.
Wichtige Impfungen in Deutschland
| Impfung | Erreger | Einführung (ca.) | Situation vor Impfung | Auswirkungen heute |
|---|---|---|---|---|
| Pocken | Pocken | 1796 (Jenner) | Sehr hohe Sterblichkeit (20–30 %), wiederkehrende Epidemien | Weltweit ausgerottet seit 1980 |
| Diphtherie | Corynebacterium diphtheriae | 1920er | In Deutschland in den 1940ern zehntausende Todesfälle/Jahr | Heute nur noch Einzelfälle durch hohe Impfquoten. (Robert Koch Institute) |
| Tetanus | Clostridium tetani | 1920er | Häufig tödlich nach Verletzungen und Geburten | Heute nur wenige Fälle pro Jahr |
| Pertussis (Keuchhusten) | Bordetella pertussis | 1950er | Tausende schwere Erkrankungen, besonders bei Säuglingen; zahlreiche Todesfälle jährlich | Deutlicher Rückgang schwerer Verläufe und Säuglingssterblichkeit. (Robert Koch Institute) |
| Polio (Kinderlähmung) | Poliovirus | 1961 (Schluckimpfung) | Anfang der 1960er mehrere Tausend Erkrankungen jährlich, Hunderte Tote und viele bleibend Gelähmte | Deutschland seit Jahrzehnten poliofrei. (Robert Koch Institute) |
| Masern | Masernvirus | 1974 | Hunderttausende Erkrankungen pro Jahr; jährlich Todesfälle und Hirnentzündungen | >95 % Rückgang; Verhinderung von Enzephalitis und SSPE |
| Mumps | Mumpsvirus | 1970er | Häufige Erkrankung mit Hirnhautentzündungen und Unfruchtbarkeit bei Männern | Massive Reduktion der Komplikationen |
| Röteln | Rötelnvirus | 1970er | Besonders gefährlich für Schwangere; zahlreiche Kinder mit schweren Fehlbildungen | Kongenitales Rötelnsyndrom nahezu verschwunden |
| Hib | Haemophilus influenzae Typ b | 1990 | Häufigste bakterielle Hirnhautentzündung kleiner Kinder | Rückgang invasiver Erkrankungen um >95 % |
| Hepatitis B | Hepatitis-B-Virus | 1980er | Chronische Leberentzündungen, Leberzirrhose, Leberkrebs | Deutliche Verringerung chronischer Infektionen |
| Pneumokokken | Streptococcus pneumoniae | 2006 (Standard für Säuglinge) | Viele Lungenentzündungen, Sepsis, Meningitis | Deutliche Verringerung schwerer invasiver Erkrankungen |
| Meningokokken C | Neisseria meningitidis | 2006 | Gefürchtete Hirnhautentzündungen mit hoher Sterblichkeit | Starker Rückgang der Serogruppe C |
| HPV | Humane Papillomviren | 2007 | Verursacht Gebärmutterhalskrebs und andere Tumoren | Langfristig deutliche Verringerung von Krebs und Krebsvorstufen |
| Rotavirus | Rotaviren | 2013 (Standard) | Viele Krankenhausaufnahmen wegen schwerer Durchfälle bei Säuglingen | Deutlich weniger stationäre Aufnahmen |
| Varizellen (Windpocken) | Varizella-Zoster-Virus | 2004 | Hunderttausende Erkrankungen jährlich | Weniger Komplikationen und Krankenhausaufnahmen |
Die "großen Lebensretter"
Wenn man fragt, welche Impfungen in Deutschland vermutlich die meisten schweren Schicksale verhindert haben, landet man ungefähr bei:
🥇 Pocken
- Millionen Tote weltweit verhindert
- Einzige vollständig ausgerottete menschliche Infektionskrankheit
🥈 Polio
- Tausende Kinder vor lebenslanger Lähmung bewahrt
- Bilder von eisernen Lungen und gelähmten Kindern verschwanden praktisch aus Deutschland
🥉 Masern
- Verhindert Todesfälle, Hirnentzündungen und die tödliche Spätfolge SSPE
- Schützt zusätzlich Säuglinge durch Herdenimmunität
🏅 Röteln
- Verhinderte tausende schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen
🏅 Hib
- Veränderte die Kinderheilkunde enorm; bakterielle Hirnhautentzündungen bei Kleinkindern wurden selten
Für die Kinderklinik besonders relevant
Wenn du heute auf einer Kinderstation arbeitest, profitierst du täglich von diesen Impfungen:
- Rotavirus
- Pertussis
- Hib
- Pneumokokken
- Meningokokken
- Masern/Mumps/Röteln
- Varizellen
Ohne diese Impfungen wären Kinderstationen noch immer voll mit:
- schweren Meningitiden,
- Epiglottitiden durch Hib,
- Poliogelähmten Kindern,
- Masern-Enzephalitiden,
- Säuglingen mit tödlichem Keuchhusten.
Ein Kinderarzt aus den 1950ern würde eine heutige Kinderstation wahrscheinlich für erstaunlich leer halten. 😄
Zeitleiste wichtiger Impfungen
1796 Pocken
│
1880–1920
│ Trinkwasserversorgung, Kanalisation,
│ bessere Ernährung, weniger Armut
│
1920 Diphtherie
1923 Tetanus
│
1940 Antibiotika
│
1950 Pertussis
│
1961 Polio (Schluckimpfung)
│
1970er Masern
1970er Mumps
1970er Röteln
│
1990 Hib
│
2004 Varizellen
2006 Pneumokokken
2006 Meningokokken C
2007 HPV
2013 Rotavirus
│
2020 COVID-19
Was hat mehr Leben gerettet?
Historiker und Epidemiologen diskutieren das seit Jahrzehnten.
Eine grobe Rangliste für die letzten 200 Jahre in Europa:
| Maßnahme | Einfluss auf Lebenserwartung |
|---|---|
| Sauberes Trinkwasser | Extrem hoch |
| Kanalisation | Extrem hoch |
| Bessere Ernährung | Sehr hoch |
| Impfungen | Sehr hoch |
| Antibiotika | Sehr hoch |
| Geburtshilfe | Hoch |
| Intensivmedizin | Hoch |
| Herz-Kreislauf-Medizin | Hoch |
| Krebsmedizin | Mittel bis hoch |
Die große Überraschung: Hygiene gewann die erste Runde
Im 19. Jahrhundert starben viele Kinder an:
- Cholera
- Typhus
- Ruhr
- Tuberkulose
- Lungenentzündungen
Noch bevor es Antibiotika oder Impfungen gab, sanken viele Sterberaten bereits deutlich durch:
- sauberes Trinkwasser
- Kanalisation
- Müllentsorgung
- weniger Überbelegung
- bessere Ernährung
Beispiel:
Die Sterblichkeit an Tuberkulose fiel in Deutschland bereits stark, bevor wir wirksame Medikamente hatten.
Wo Impfungen den entscheidenden Unterschied machten
Bei einigen Krankheiten war Hygiene fast wirkungslos.
Polio
Das Virus verbreitete sich trotz guter Hygiene.
Vor der Impfung:
- Tausende Erkrankungen jährlich
- Hunderte bleibend Gelähmte
- Kinder in eisernen Lungen
Nach Einführung der Schluckimpfung:
- Erkrankungen brachen innerhalb weniger Jahre fast vollständig zusammen.
Das war ein klassischer Impf-Erfolg.
Masern
Vor der Impfung:
- Fast jedes Kind bekam Masern.
- Verbesserte Hygiene änderte daran wenig.
Nach Einführung der Impfung:
- Erkrankungszahlen um über 95 % reduziert.
Röteln
Vor der Impfung:
- Viele Schwangere infizierten sich.
-
Fehlbildungen bei Kindern:
- Taubheit
- Blindheit
- Herzfehler
Nach Einführung:
- Kongenitales Rötelnsyndrom nahezu verschwunden.
Hib
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel.
Vor 1990:
Kinderärzte sahen regelmäßig:
- Meningitis
- Epiglottitis
- Sepsis
Nach Einführung der Hib-Impfung:
Diese Erkrankungen wurden selten.
Viele junge Ärzte haben nie einen echten Hib-Fall gesehen.
Eine vereinfachte Vorstellung
Stell dir 100 Kinder im Jahr 1900 vor.
Durch Hygiene und Ernährung:
- vielleicht 20–30 zusätzliche Kinder überleben.
Durch Impfungen:
- weitere Kinder überleben oder werden nicht schwer behindert.
Durch Antibiotika:
- noch mehr Kinder überleben.
Durch moderne Intensivmedizin:
- nochmals zusätzliche Kinder.
Die Fortschritte addieren sich also.
Was rettete wahrscheinlich die meisten Leben?
Für Europa schätzen viele Historiker ungefähr:
🥇 Sauberes Wasser und Kanalisation
🥈 Bessere Ernährung
🥉 Impfungen
🏅 Antibiotika
🏅 Moderne Geburtshilfe
Aber:
Wenn man nicht die Gesamtsterblichkeit betrachtet, sondern einzelne Krankheiten, dann gewinnen oft die Impfungen.
Ohne Impfungen gäbe es heute vermutlich wieder:
- Polio-Stationen
- Masern-Todesfälle
- Hib-Meningitiden
- schwere Rötelnschäden bei Neugeborenen
- deutlich mehr Keuchhusten-Tote bei Säuglingen
Für die Pflege besonders interessant
Wenn du heute auf einer Kinderstation stehst, siehst du oft die Krankheiten, die trotz aller Fortschritte noch auftreten.
Was du kaum noch siehst, sind die Erkrankungen, die durch Impfungen praktisch verschwunden sind.
Das ist ein bisschen wie bei einer funktionierenden Sprinkleranlage: Niemand lobt sie, solange das Haus nicht brennt. 😄
Gerade in der Kinderheilkunde sind Impfungen deshalb so eindrucksvoll, weil ältere Kinderärzte noch eine Welt erlebt haben, in der Masern-Enzephalitis, Polio-Lähmungen oder Hib-Epiglottitis zum Alltag gehörten – für jüngere Kolleginnen und Kollegen sind das heute fast schon Lehrbuchdiagnosen.
Ja, Don – für einige Erkrankungen ist das grundsätzlich richtig, aber die Aussage ist unvollständig und deshalb oft missverständlich.
Die kurze Antwort
Bei Krankheiten wie:
- Masern
- Mumps
- Röteln
führt eine durchgemachte Infektion häufig zu einer sehr starken und oft lebenslangen Immunität, die mindestens so gut oder teilweise sogar stärker sein kann als die durch eine Impfung erzeugte Immunität.
Das ist wissenschaftlich anerkannt und unstrittig.
Der entscheidende Punkt ist aber:
Man erhält die natürliche Immunität erst, nachdem man das Risiko der Erkrankung überstanden hat.
Warum ist die Immunität nach einer Erkrankung oft stärker?
Das Immunsystem sieht:
- das gesamte Virus
- über mehrere Tage oder Wochen
- in verschiedenen Geweben
Dadurch entsteht häufig eine sehr breite Immunantwort.
Bei Masern beispielsweise ist die Immunität nach durchgemachter Erkrankung meist lebenslang.
Warum impft man trotzdem?
Weil der Preis für diese Immunität hoch sein kann.
Masern
Von 1.000 Erkrankten:
- etwa 1 bekommt eine Gehirnentzündung (Enzephalitis)
- einige behalten neurologische Schäden zurück
- einige sterben
- selten tritt Jahre später die tödliche SSPE auf
Die Impfung erzeugt zwar möglicherweise eine etwas weniger "natürliche" Immunität, aber ohne dieses Risiko.
Mumps
Die meisten Kinder überstehen Mumps problemlos.
Mögliche Komplikationen:
- Hodenentzündung (Orchitis)
- Hirnhautentzündung
- selten bleibende Hörschäden
Röteln
Für das Kind meist harmlos.
Problem:
Eine Infektion in der Schwangerschaft kann schwere Fehlbildungen verursachen.
Deshalb ist hier weniger der Eigenschutz als der Schutz ungeborener Kinder wichtig.
Interessanter Sonderfall: Masern
Masern hinterlassen zwar eine starke Immunität, können aber gleichzeitig das Immunsystem schädigen.
Man spricht von einer "immunologischen Amnesie".
Nach einer Masernerkrankung vergisst das Immunsystem teilweise frühere Abwehrerfahrungen gegen andere Erreger.
Dadurch steigt für Monate bis Jahre die Anfälligkeit für andere Infektionen.
Das wurde in mehreren Studien gut belegt.
Ist natürliche Immunität immer besser?
Nein.
Das hängt von der Erkrankung ab.
| Erkrankung | Natürliche Immunität stärker? |
|---|---|
| Masern | Ja, meist lebenslang |
| Mumps | Oft ja |
| Röteln | Ja |
| Windpocken | Ja |
| Tetanus | Nein |
| Keuchhusten | Nicht dauerhaft |
| COVID-19 | Nicht zuverlässig |
| Influenza | Wegen Virusveränderungen nur begrenzt |
Gerade bei Tetanus ist das überraschend:
Selbst eine durchgemachte Erkrankung führt oft nicht zu einer ausreichenden Immunität. Deshalb werden auch Erkrankte anschließend geimpft.
Die moderne Sichtweise
Die wissenschaftliche Diskussion lautet heute nicht:
"Ist natürliche Immunität echt?"
Natürlich ist sie das.
Sondern:
"Ist der Gewinn an Immunität das Risiko der Erkrankung wert?"
Bei Masern beispielsweise sagen Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden:
- Ja, natürliche Immunität ist sehr stark.
- Die Risiken der Erkrankung sind jedoch deutlich höher als die Risiken der Impfung.
Deshalb wird die Impfung bevorzugt.
Für jemanden aus der Pflege ist vielleicht die praktischste Merkhilfe:
Natürliche Immunität ist oft die stärkere Ausbildungseinheit. Die Impfung ist die deutlich sicherere Ausbildungseinheit.
Das Immunsystem lernt in beiden Fällen. Die Frage ist nur, ob man dafür einen Lehrer oder einen echten Angriff ins Haus holen möchte. 😄
Das ist ein komplexes Thema, Don, und ich finde es sinnvoll, die verschiedenen Aspekte getrennt zu betrachten.
Natürliche Immunität und Herdenimmunität
Deine Beobachtung ist grundsätzlich richtig:
Wenn sehr viele Menschen geimpft sind, zirkuliert ein Erreger weniger. Dadurch profitieren auch Ungeimpfte – das nennt man Herdenimmunität.
Das hat aber einen Nebeneffekt:
- Früher erkrankten fast alle Kinder an Masern, Mumps oder Röteln.
- Heute bekommen ungeimpfte Kinder diese Infektionen oft gar nicht mehr.
- Sie erwerben deshalb auch keine natürliche Immunität.
Historisch funktionierte die Strategie "durchmachen und lebenslang immun sein" nur deshalb, weil die Erreger ständig zirkulierten und nahezu jeder sie zwangsläufig bekam.
Schützt eine durchgemachte Erkrankung im Alter besser?
Teilweise ja.
Eine durchgemachte Masernerkrankung verleiht oft lebenslangen Schutz.
Allerdings gibt es zwei Probleme:
- Nicht jeder übersteht die Erkrankung ohne Komplikationen.
- Man kann nicht vorhersagen, wen es schwer trifft.
Das ist der Kern des medizinischen Arguments für Impfungen.
Gibt es zu wenig Diskussion?
Da würde ich differenzieren.
Innerhalb der Wissenschaft gibt es durchaus intensive Diskussionen:
- Impfintervalle
- Auffrischungen
- Wirksamkeit
- Nebenwirkungen
- Nutzen-Risiko-Abwägungen
Das sieht man z. B. an den Protokollen der Ständige Impfkommission (STIKO), wo Empfehlungen regelmäßig geändert werden.
Was viele Menschen allerdings wahrnehmen:
Die öffentliche Kommunikation ist häufig deutlich eindeutiger als die wissenschaftliche Diskussion im Hintergrund.
Das kann den Eindruck erzeugen, dass Kritik oder Unsicherheit nicht existieren.
COVID-Impfstoffe und neue Nebenwirkungen
Hier hast du einen wichtigen Punkt angesprochen.
mRNA-Impfstoffe
Zu den bekannten, seltenen Nebenwirkungen gehören:
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
- Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
Besonders bei jungen Männern nach der zweiten Dosis wurden erhöhte Risiken festgestellt.
Das wurde nach Einführung erkannt und anschließend in die Fachinformationen aufgenommen.
Die meisten Fälle verliefen mild und heilten aus, aber die Nebenwirkung ist real und wissenschaftlich anerkannt.
Johnson & Johnson
Der Impfstoff von Johnson & Johnson basierte nicht auf mRNA.
Er war ein sogenannter Vektorimpfstoff, ähnlich dem Impfstoff von AstraZeneca.
Dabei wird ein harmloses Adenovirus als "Transportmittel" verwendet, um Baupläne für das Spike-Protein in die Zellen zu bringen.
Bei den Vektorimpfstoffen wurden seltene, aber schwerwiegende Thrombosen (VITT/TTS) erkannt.
Deshalb wurden die Empfehlungen später angepasst und die Impfstoffe vielerorts kaum noch verwendet.
Wurde zu schnell zugelassen?
Das ist wahrscheinlich der Punkt, über den am meisten gestritten wird.
Es gibt zwei Dinge, die gleichzeitig wahr sein können:
Ja, die Entwicklung war außergewöhnlich schnell
Normalerweise dauern Entwicklung und Zulassung deutlich länger.
Nein, die Sicherheitsprüfungen wurden nicht komplett übersprungen
Die klinischen Studien fanden statt, allerdings:
- mit enormen finanziellen Ressourcen,
- parallelisierten Abläufen,
- sehr großen Teilnehmerzahlen,
- beschleunigten Behördenverfahren.
Dadurch konnte man Jahre einsparen.
Was man aber zwangsläufig nicht haben konnte:
- 5-Jahres-Daten
- 10-Jahres-Daten
Denn die Zeit existierte schlicht noch nicht.
Das ist keine politische Aussage, sondern eine logische Konsequenz der Situation.
Aus heutiger Sicht
Heute, einige Jahre später, wissen wir deutlich mehr:
Bekannte seltene Nebenwirkungen:
- Myokarditis
- Perikarditis
- VITT/TTS bei Vektorimpfstoffen
- einzelne andere seltene Komplikationen
Diese wurden erkannt, untersucht und in die Risikoabwägungen aufgenommen.
Gleichzeitig zeigen große Datenanalysen, dass die Impfstoffe insbesondere für ältere Menschen und Risikogruppen schwere COVID-Verläufe und Todesfälle reduziert haben. Der Nutzen war dabei stark altersabhängig: Für einen 80-Jährigen war die Bilanz deutlich günstiger als für einen gesunden 20-Jährigen.
Als Pflegender kennst du wahrscheinlich einen wichtigen Grundsatz aus der Medizin:
Es gibt fast keine wirksame Behandlung ohne Risiken.
Die eigentliche Frage lautet daher selten "Gibt es Risiken?", sondern:
"Wie groß ist der Nutzen im Vergleich zum Risiko für diese konkrete Person?"
Und genau da wird es manchmal kompliziert, weil die Antwort für einen Säugling, einen gesunden jungen Erwachsenen und einen hochbetagten Menschen unterschiedlich ausfallen kann.