Ja, das ist sogar eine sehr sinnvolle Art, Diabetes für die Prüfung zu lernen. Viele Symptome überschneiden sich, entstehen aber aus unterschiedlichen Ursachen. Wenn du verstehst, warum ein Symptom entsteht, musst du viel weniger auswendig lernen.
Übersicht: Diabetes und typische Symptome
| Zustand | Blutzucker | Hauptursache | Typische Symptome |
|---|---|---|---|
| Diabetes mellitus (unentdeckt) | dauerhaft erhöht | Insulinmangel/-resistenz | Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit |
| Hyperglykämie | hoch | zu wenig Insulin | Durst, Polyurie, trockene Haut |
| Hypoglykämie | niedrig | zu viel Insulin, zu wenig Nahrung | Zittern, Schwitzen, Heißhunger |
| Diabetische Ketoazidose (DKA) | sehr hoch | absoluter Insulinmangel | Kussmaul-Atmung, Azetongeruch |
| Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom (HHS) | extrem hoch | Wasserverlust | starke Exsikkose, Bewusstseinsstörung |
| Langzeitfolgen | unterschiedlich | Gefäß- und Nervenschäden | Neuropathie, Retinopathie, Nephropathie |
1. Diabetes mellitus (oft erste Symptome)
Der Körper kann Glucose nicht ausreichend in die Zellen aufnehmen.
Symptome
- Polyurie (viel Wasserlassen)
- Polydipsie (starker Durst)
- Müdigkeit
- Leistungsminderung
- Gewichtsverlust (besonders Typ 1)
- verschwommenes Sehen
- trockene Haut
- Juckreiz
- häufige Infektionen
- schlechte Wundheilung
Warum?
Der Zucker bleibt im Blut.
↓
Die Niere scheidet Glucose aus.
↓
Glucose zieht Wasser mit.
↓
Viel Urin
↓
Flüssigkeitsverlust
↓
Durst
2. Hyperglykämie
Blutzucker meist über 180–250 mg/dl (10–14 mmol/l).
Symptome
- starker Durst
- trockener Mund
- trockene Haut
- Polyurie
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- verschwommenes Sehen
Warum?
Der Zucker erhöht die Osmolarität des Blutes.
Der Körper versucht den Zucker über den Urin loszuwerden.
Dadurch verliert er Wasser.
3. Hypoglykämie
Blutzucker unter etwa 70 mg/dl (3,9 mmol/l).
Hier reagiert der Körper zweistufig.
Frühe Symptome (Sympathikus)
Der Körper schüttet Adrenalin aus.
Symptome
- Zittern
- Schwitzen
- Herzrasen
- Blässe
- Heißhunger
- Nervosität
- Angst
Späte Symptome (Gehirn bekommt zu wenig Zucker)
Symptome
- Verwirrtheit
- Konzentrationsstörung
- Sprachstörung
- Sehstörungen
- Schwindel
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
4. Diabetische Ketoazidose (DKA)
Typisch bei Typ-1-Diabetes.
Der Körper hat praktisch kein Insulin.
Er beginnt Fett abzubauen.
Dabei entstehen Ketonkörper.
Diese machen das Blut sauer.
Symptome
- Übelkeit
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Durst
- Polyurie
- Exsikkose
- Müdigkeit
- Bewusstseinsstörung
- Azetongeruch der Atemluft
- tiefe Kussmaul-Atmung
- schneller Puls
Warum Kussmaul-Atmung?
Die Ketonkörper verursachen eine metabolische Azidose.
Der Körper atmet CO₂ ab.
Dadurch steigt der pH wieder etwas an.
5. Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom (HHS)
Typisch bei Typ-2-Diabetes.
Hier gibt es meist noch etwas Insulin.
Deshalb entstehen kaum Ketonkörper.
Der Blutzucker kann aber auf über 600 mg/dl (33 mmol/l) ansteigen.
Das hyperosmolare Koma ist typisch für den Typ-2-Diabetes, tritt also beim relativen Insulinmangel auf. Es wird noch körpereigenes Insulin produziert, das ausreicht, um den überschießenden Fett- und Proteinabbau zu hemmen. Hier sind die massiv erhöhten Blutzuckerwerte (BZ > 33,3 mmol/l [600–1000 mg/dl]) das Problem. Durch den hohen Blutzucker erhöht sich die Osmolarität des Blutes. Auch hier kommt es über die vermehrte Harnausscheidung zur Austrocknung. Dadurch kann es zu einem prärenalen Nierenversagen kommen, die Blutsalze erhöhen sich, insbesondere das Kalium ist stark erhöht. Insbesondere durch die Austrocknung kommt es zur zunehmenden Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma.
Symptome
- extremer Durst
- massive Exsikkose
- trockene Schleimhäute
- niedriger Blutdruck
- Tachykardie
- Benommenheit
- Verwirrtheit
- Krampfanfälle
- Koma
Besonderheit
Keine oder kaum
- Kussmaul-Atmung
- Azetongeruch
6. Diabetische Neuropathie
Durch langjährigen erhöhten Blutzucker werden Nerven geschädigt.
Symptome
Sensibel
- Kribbeln
- Brennen
- Ameisenlaufen
- Taubheit
Motorisch
- Muskelschwäche
- Gangunsicherheit
Vegetativ
- Magenentleerungsstörung
- Blasenentleerungsstörung
- Potenzstörungen
- fehlende Hypoglykämiewahrnehmung
- orthostatische Hypotonie
7. Diabetische Retinopathie
Schädigung der Netzhaut.
Symptome
- verschwommenes Sehen
- schwarze Punkte
- Gesichtsfeldausfälle
- im Spätstadium Blindheit
8. Diabetische Nephropathie
Nierenschädigung.
Frühe Symptome
Fast keine.
Später
- Ödeme
- Bluthochdruck
- Eiweiß im Urin
- eingeschränkte Nierenfunktion
9. Diabetisches Fußsyndrom
Entsteht durch Neuropathie und Gefäßschäden.
Symptome
- Druckstellen
- schlecht heilende Wunden
- Ulzera
- verminderte Schmerzempfindung
- kalte Füße (bei Durchblutungsstörung)
- Infektionen
10. Infektionen
Durch hohen Blutzucker funktionieren Immunzellen schlechter.
Häufig
- Pilzinfektionen
- Harnwegsinfekte
- Hautinfektionen
- Wundinfektionen
11. Exsikkose
Kann sowohl bei Hyperglykämie, DKA als auch HHS auftreten.
Symptome
- trockene Schleimhäute
- stehende Hautfalten
- Durst
- wenig Speichel
- eingesunkene Augen
- niedriger Blutdruck
- Tachykardie
- Schwindel
Merkhilfe für Prüfungen
| Symptom | Woran denken? |
|---|---|
| Polyurie | Hyperglykämie, DKA, HHS |
| Polydipsie | Hyperglykämie, DKA, HHS |
| Zittern | Hypoglykämie |
| Schwitzen | Hypoglykämie |
| Heißhunger | Hypoglykämie |
| Azetongeruch | DKA |
| Kussmaul-Atmung | DKA |
| Bauchschmerzen | DKA |
| Übelkeit/Erbrechen | DKA |
| Bewusstlosigkeit | schwere Hypoglykämie, DKA oder HHS |
| Kribbeln | Neuropathie |
| Verschwommenes Sehen | Hyperglykämie oder Retinopathie |
| Schlechte Wundheilung | chronischer Diabetes |
| Häufige Infektionen | chronischer Diabetes |
| Trockene Haut | Hyperglykämie, Exsikkose |
| Kalte Füße | diabetische Angiopathie |
| Ödeme | Nephropathie |
Ein hilfreiches Muster
Fast alle Symptome lassen sich auf vier grundlegende Mechanismen zurückführen:
- Zu viel Glucose im Blut (Hyperglykämie): Polyurie, Polydipsie, Müdigkeit, verschwommenes Sehen.
- Zu wenig Glucose in den Zellen: Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fettabbau und bei absolutem Insulinmangel Ketoazidose.
- Zu wenig Glucose im Gehirn (Hypoglykämie): Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle bis zur Bewusstlosigkeit.
- Langfristige Gefäß- und Nervenschäden: Neuropathie, Retinopathie, Nephropathie und diabetisches Fußsyndrom.
Wenn du diese vier Mechanismen verstanden hast, kannst du die meisten Symptome des Diabetes logisch herleiten, anstatt sie einzeln auswendig zu lernen.