Psychiatrie

Für die psychiatrische Pflege ist es hilfreich, die Erkrankungen nicht einfach auswendig zu lernen, sondern nach größeren Gruppen zu ordnen. Tatsächlich begegnen dir auf einer allgemeinen Psychiatrie bestimmte Krankheitsbilder immer wieder, während andere eher selten sind.

Übersicht typischer psychiatrischer Erkrankungen

1. Psychotische Erkrankungen

Hier ist der Bezug zur Realität teilweise gestört.

Schizophrenie

-> Schizophrenie

Merkmale

  • Wahn
  • Halluzinationen
  • Denkstörungen
  • Ich-Störungen
  • sozialer Rückzug

Pflegerisch

  • ruhige Kommunikation
  • Realität nicht "wegdiskutieren"
  • Vertrauen aufbauen
  • Beobachtung von Eigen- und Fremdgefährdung

Schizoaffektive Störung

Mischung aus:

  • Schizophrenie
  • affektiver Erkrankung (Depression oder Manie)

Wahnhafte Störung

Hier steht fast ausschließlich der Wahn im Vordergrund.

Zum Beispiel:

  • Eifersuchtswahn
  • Verfolgungswahn

2. Affektive Erkrankungen

Hier stehen Stimmung und Antrieb im Mittelpunkt.

Depression

Sehr häufig.

Symptome

  • gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust
  • Schlafstörungen
  • Hoffnungslosigkeit
  • Suizidgedanken

Bipolare Störung

Wechsel zwischen:

📉 Depression

und

📈 Manie

Manische Patienten wirken häufig:

  • extrem energiegeladen
  • kaum schlafbedürftig
  • redselig
  • impulsiv
  • überschätzen sich

3. Angst- und Zwangserkrankungen

Generalisierte Angststörung

Dauerhafte Sorgen.


Panikstörung

Plötzliche Panikattacken.


Soziale Angststörung

Große Angst vor Bewertung durch andere.


Zwangsstörung

Zum Beispiel:

  • Waschzwang
  • Kontrollzwang
  • Zählzwang

4. Suchterkrankungen

Sehr häufig auf psychiatrischen Stationen.

Alkohol

  • Entgiftung
  • Rückfallprophylaxe

Drogen

z. B.

  • Cannabis
  • Kokain
  • Amphetamine
  • Opioide

Medikamentenabhängigkeit

Zum Beispiel:

  • Beruhigungsmittel
  • Schlafmittel

5. Persönlichkeitsstörungen

Diese betreffen eher stabile Verhaltens- und Erlebensmuster.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Sehr häufig.

Typisch:

  • starke Gefühlsschwankungen
  • Selbstverletzungen
  • Angst vor Verlassenwerden
  • impulsives Verhalten

Narzisstische Persönlichkeitsstörung


Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Vor allem in der Forensik häufiger.


6. Traumafolgestörungen

Posttraumatische Belastungsstörung

Nach:

  • Krieg
  • Gewalt
  • Unfällen
  • Missbrauch

Symptome:

  • Flashbacks
  • Albträume
  • Vermeidung
  • Übererregbarkeit

7. Essstörungen

Anorexia nervosa


Bulimia nervosa


Binge-Eating-Störung


8. Neurokognitive Erkrankungen

Oft in der Gerontopsychiatrie.

Demenz

z. B.

  • Gedächtnisstörungen
  • Orientierungslosigkeit
  • Verhaltensauffälligkeiten

Delir

Kein primär psychiatrisches Krankheitsbild, aber häufig auf psychiatrischen Stationen.


9. Entwicklungsstörungen

Autismus-Spektrum-Störung


Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Auch Erwachsene können betroffen sein.


10. Somatoforme Erkrankungen

Heute häufig als Störungen mit körperlichen Belastungssymptomen bezeichnet.

Patienten leiden unter:

  • Schmerzen
  • Müdigkeit
  • körperlichen Beschwerden

ohne ausreichende organische Erklärung.


Was begegnet dir auf einer Erwachsenenstation am häufigsten?

Wenn ich eine Rangliste erstellen müsste, sähe sie ungefähr so aus:

Häufigkeit Erkrankung
⭐⭐⭐⭐⭐ Depression
⭐⭐⭐⭐⭐ Suchterkrankungen
⭐⭐⭐⭐ Schizophrenie und andere Psychosen
⭐⭐⭐⭐ Bipolare Störung
⭐⭐⭐ Angststörungen
⭐⭐⭐ Borderline-Persönlichkeitsstörung
⭐⭐ Zwangsstörungen
⭐⭐ PTSD
Essstörungen (je nach Schwerpunkt)
Demenz (eher Gerontopsychiatrie)

Für deine Ausbildung würde ich diese Krankheitsbilder besonders gut beherrschen

Wenn du auf einer psychiatrischen Station startest, würde ich diese "Top 10" priorisieren:

  1. Depression
  2. Schizophrenie
  3. Bipolare Störung
  4. Alkoholabhängigkeit und Entzug
  5. Drogenabhängigkeit
  6. Angst- und Panikstörungen
  7. Borderline-Persönlichkeitsstörung
  8. Suizidalität und Krisenintervention (kein eigenes Krankheitsbild, aber ein zentrales Thema)
  9. Delir – weil es leicht mit einer Psychose verwechselt werden kann
  10. Medikamentengruppen in der Psychiatrie (Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisierer, Anxiolytika)

💡 Da du aus der somatischen Pflege kommst, wirst du wahrscheinlich merken: In der Psychiatrie sind weniger invasive Maßnahmen gefragt, dafür aber deutlich mehr Gesprächsführung, Beobachtung und Beziehungsgestaltung. Oft sind kleine Veränderungen – etwa mehr Rückzug, vermehrte Unruhe oder ein Stimmungswechsel – wichtige Hinweise, die im Team besprochen werden. Das macht den pflegerischen Blick zu einem besonders wertvollen Teil der Behandlung.