Bildgebende Verfahren
Gern, Don. 😊 Bildgebende Verfahren lassen sich gut nach dem physikalischen Prinzip ordnen. Für die Pflege ist es oft hilfreich zu wissen, wie das Bild entsteht, wofür es geeignet ist und welche Vor- bzw. Nachteile es hat.
Übersicht der bildgebenden Verfahren
1. Röntgen (Projektionsradiographie)
Prinzip
- Röntgenstrahlen durchdringen den Körper.
- Je dichter ein Gewebe, desto mehr Strahlen werden absorbiert.
- Es entsteht ein zweidimensionales Bild.
Geeignet für
- Knochenbrüche
- Lungen (Pneumonie, Pneumothorax)
- Zahnmedizin
- Gelenke
Vorteile
- Schnell
- Kostengünstig
- Gute Darstellung von Knochen
Nachteile
- Strahlenbelastung
- Weichteile nur eingeschränkt sichtbar
2. Computertomographie (CT)
Prinzip
- Viele Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln.
- Computer berechnet Schichtbilder.
Geeignet für
- Schlaganfall
- Schädelverletzungen
- Tumoren
- Lunge
- Bauchorgane
- Knochen
Besonderheiten
- Häufig mit Kontrastmittel
- Sehr schnelle Untersuchung
Nachteile
- Relativ hohe Strahlenbelastung
3. Magnetresonanztomographie (MRT)
Prinzip
- Starkes Magnetfeld
- Radiowellen regen Wasserstoffatome an.
- Kein Röntgen.
Geeignet für
- Gehirn
- Rückenmark
- Muskeln
- Bänder
- Sehnen
- Gelenke
- Tumoren
Vorteile
- Hervorragende Weichteildarstellung
- Keine ionisierende Strahlung
Nachteile
- Lange Untersuchungsdauer
- Laut
- Metallimplantate können problematisch sein
4. Ultraschall (Sonographie)
Prinzip
- Hochfrequente Schallwellen werden ausgesendet.
- Echos werden ausgewertet.
Geeignet für
- Bauchorgane
- Schwangerschaft
- Schilddrüse
- Herz (Echokardiographie)
- Gefäße
Vorteile
- Keine Strahlung
- Schnell
- Mobil
- Beliebig oft wiederholbar
Nachteile
- Luft und Knochen behindern die Untersuchung
5. Doppler- und Duplexsonographie
Prinzip
- Ultraschall plus Messung des Blutflusses.
Geeignet für
- Thrombosen
- Arterielle Verschlüsse
- Herzklappen
- Gefäßdiagnostik
6. Angiographie
Prinzip
- Darstellung von Blutgefäßen mit Kontrastmittel.
Varianten
- CT-Angiographie
- MR-Angiographie
- Katheterangiographie
Geeignet für
- Aneurysmen
- Gefäßverschlüsse
- Koronararterien
7. Mammographie
Prinzip
- Spezielle Röntgenaufnahme der Brust.
Geeignet für
- Brustkrebsfrüherkennung
8. Knochendichtemessung (DXA)
Prinzip
- Spezielle Röntgenstrahlen mit geringer Dosis.
Geeignet für
- Osteoporose
9. Nuklearmedizin
Hier wird nicht von außen hineingeschaut, sondern eine schwach radioaktive Substanz wird verabreicht und ihre Verteilung im Körper gemessen.
Szintigraphie
Geeignet für
- Knochenmetastasen
- Schilddrüse
- Lunge
- Nieren
SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography)
Weiterentwicklung der Szintigraphie
Geeignet für
- Herz
- Gehirn
- Knochen
PET (Positronen-Emissions-Tomographie)
Geeignet für
- Tumorsuche
- Metastasen
- Stoffwechsel
- Neurologie
Häufig kombiniert mit einem CT (PET-CT).
10. Endoskopische Bildgebung
Hier wird mit einer Kamera direkt in den Körper geschaut.
Beispiele
- Gastroskopie - Magenspiegelung
- Koloskopie - Darmspiegelung
- Bronchoskopie
- Zystoskopie
Vorteil:
- Direkte Sicht
- Gewebeprobe möglich
11. Fluoroskopie (Durchleuchtung)
Prinzip
- Kontinuierliches Röntgenbild in Echtzeit.
Geeignet für
- Schluckdiagnostik
- Katheteruntersuchungen
- Orthopädische Eingriffe
12. Optische Kohärenztomographie (OCT)
Prinzip
- Licht statt Ultraschall.
Geeignet für
- Netzhaut
- Augenheilkunde
13. Thermographie
Prinzip
- Messung der Wärmestrahlung.
Geeignet für
- Spezialdiagnostik
- Forschung
Heute nur selten in der klinischen Routine.
14. Elastographie
Prinzip
- Ultraschall oder MRT misst die Gewebesteifigkeit.
Geeignet für
- Leberfibrose
- Brust
- Schilddrüse
Merkhilfe für die Pflege
| Verfahren | Strahlung | Besonders gut für |
|---|---|---|
| Röntgen | ✅ Ja | Knochen, Lunge |
| CT | ✅ Ja | Notfälle, Kopf, Thorax, Abdomen |
| MRT | ❌ Nein | Gehirn, Rückenmark, Weichteile |
| Ultraschall | ❌ Nein | Bauchorgane, Herz, Schwangerschaft |
| Doppler/Duplex | ❌ Nein | Blutfluss und Gefäße |
| Mammographie | ✅ Ja | Brust |
| DXA | ✅ Ja | Knochendichte |
| Szintigraphie | ☢️ Radioaktive Substanz | Organfunktion |
| SPECT | ☢️ Radioaktive Substanz | Herz, Gehirn |
| PET | ☢️ Radioaktive Substanz | Tumoren und Stoffwechsel |
| Angiographie | Meist ✅ Ja | Blutgefäße |
| Fluoroskopie | ✅ Ja | Bewegungsabläufe, Interventionen |
| Endoskopie | ❌ Nein | Direkte Betrachtung von Hohlorganen |
| OCT | ❌ Nein | Netzhaut |
| Elastographie | ❌ Nein | Gewebesteifigkeit |
| Thermographie | ❌ Nein | Wärmeverteilung (selten) |
Für eine Pflegeprüfung reicht es oft, sich die vier „großen“ Verfahren zu merken:
- Röntgen → Knochen und Lunge
- CT → schnelle Schichtbilder, besonders im Notfall
- MRT → Weichteile und Nervensystem
- Ultraschall → Organe, Herz, Schwangerschaft und Gefäße (mit Doppler/Duplex)
Die übrigen Verfahren sind spezialisierte Ergänzungen für bestimmte Fragestellungen.
Verfahren mit Kontrastmitteln
Kontrastmittel können verschiedene Verfahren ergänzen:
- Röntgen/CT: Jodhaltige Kontrastmittel
- MRT: Gadoliniumhaltige Kontrastmittel
- Ultraschall: Mikrobläschen-Kontrastmittel
- Angiographie: Meist jodhaltige Kontrastmittel
Übersicht
| Bildgebendes Verfahren | Kontrastmittel möglich? | Welches Kontrastmittel? | Zweck |
|---|---|---|---|
| Röntgen | ✅ Ja | Jodhaltig oder Bariumsulfat | Magen-Darm-Trakt, Gefäße, Harnwege |
| CT | ✅ Sehr häufig | Jodhaltig | Gefäße, Organe, Tumoren, Entzündungen |
| MRT | ✅ Häufig | Gadoliniumhaltig | Tumoren, Entzündungen, Gefäße |
| Ultraschall | ✅ Möglich | Mikrobläschen (Gasbläschen) | Leber, Herz, Gefäße |
| PET | ✅ Nein* | Radiotracer statt Kontrastmittel | Darstellung des Stoffwechsels |
| SPECT | ✅ Nein* | Radiotracer | Organfunktion |
| Szintigraphie | ✅ Nein* | Radiotracer | Organfunktion |
| Angiographie | ✅ Immer | Meist jodhaltig | Darstellung von Blutgefäßen |
| Mammographie | ❌ Normalerweise nein | – | Nur in Spezialfällen (Kontrastmittel-Mammographie) |
| DXA (Knochendichtemessung) | ❌ Nein | – | Nicht erforderlich |
| Endoskopie | ❌ Meist nein | – | Direkte Kamerasicht, manchmal Farbstoffe zur besseren Schleimhautdarstellung |
*Bei PET, SPECT und der Szintigraphie werden keine klassischen Kontrastmittel verwendet. Stattdessen erhält der Patient einen radioaktiven Tracer, der sich je nach Stoffwechsel oder Organfunktion im Körper verteilt.
Die wichtigsten Kontrastmittel
1. Jodhaltige Kontrastmittel
Einsatz:
- CT
- Angiographie
- einige Röntgenuntersuchungen
Werden verwendet für:
- Blutgefäße
- Herz
- Nieren
- Leber
- Tumoren
Pflegerisch beachten:
- Allergien oder frühere Reaktionen erfragen
- Nierenfunktion kontrollieren (Kreatinin, eGFR)
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr nach der Untersuchung fördern (wenn keine Kontraindikation besteht)
2. Gadoliniumhaltige Kontrastmittel
Einsatz:
- MRT
Werden verwendet für:
- Gehirntumoren
- Entzündungen
- Multiple Sklerose
- Gefäßdarstellung
Pflegerisch beachten:
- Bei schwerer Nierenfunktionsstörung nur nach sorgfältiger Abwägung
3. Bariumsulfat
Einsatz:
- Röntgen des Magen-Darm-Trakts
Der Patient trinkt oder erhält es rektal.
Dient zur Darstellung von:
- Speiseröhre
- Magen
- Dünndarm
- Dickdarm
⚠️ Wichtig: Besteht der Verdacht auf einen Darmdurchbruch oder eine Perforation, wird kein Bariumsulfat verwendet, da es bei Austritt in die Bauchhöhle schwere Entzündungen verursachen kann. Dann nutzt man wasserlösliche jodhaltige Kontrastmittel.
4. Ultraschall-Kontrastmittel
Einsatz:
- Kontrastmittelsonographie
Besteht aus:
- winzigen Gasbläschen (Mikrobläschen)
Dient zur Darstellung von:
- Lebertumoren
- Durchblutung
- Herzfunktion
Beispiele
Merksatz für die Prüfung
- CT und Angiographie → Jod
- MRT → Gadolinium
- Magen-Darm-Röntgen → Bariumsulfat
- Ultraschall → Mikrobläschen
- PET/SPECT/Szintigraphie → radioaktive Tracer (keine klassischen Kontrastmittel)
So kannst du dir die Zuordnung schnell merken.