Glucagon

Aber physiologisch ist Glucagon eher ein komplettes „Nüchternheits- und Fastenhormon“. Es organisiert den Stoffwechsel so, dass der Körper in Hungerzeiten weiterläuft.

Grundidee von Glucagon

Insulin sagt:

„Es ist genug Energie da → speichern.“

Glucagon sagt:

„Nahrung fehlt → Reserven mobilisieren.“


Wirkung auf den Kohlenhydratstoffwechsel

Der Klassiker:

1. Glykogenolyse

Abbau von Glykogen → Glucose

Vor allem in der Leber.


2. Gluconeogenese

Noch wichtiger bei längerem Fasten.

Die Leber baut neue Glucose aus:

  • Aminosäuren
  • Lactat
  • Glycerin

Das ist extrem wichtig: Die Glykogenspeicher reichen nur begrenzt.


Wirkung auf den Fettstoffwechsel

Hier wird’s spannend 🙂

Glucagon fördert Lipolyse

Also:

  • Fettabbau im Fettgewebe
  • Freisetzung von Fettsäuren

Die Fettsäuren dienen dann:

  • Muskeln
  • Herz
  • Leber

als Energiequelle.

Dadurch spart der Körper Glucose für:

  • Gehirn
  • Erythrozyten

Ketonkörperbildung

Bei längerem Fasten steigt Glucagon stark an.

Dann fördert es:

Ketogenese in der Leber

Es entstehen:

  • Acetoacetat
  • β-Hydroxybutyrat

→ Ketonkörper.

Das Gehirn kann diese später teilweise nutzen.

Der Körper sagt quasi:

„Notbetrieb aktiviert. Wir fahren jetzt auf Fettgenerator.“


Wirkung auf Eiweißstoffwechsel

Hier wird es oft übersehen.

Glucagon fördert indirekt Proteinabbau

Denn: Für die Gluconeogenese braucht der Körper Baustoffe.

Vor allem:

  • Alanin
  • andere glucogene Aminosäuren

Diese kommen häufig aus Muskelprotein.

Darum verlieren Menschen bei:

  • längerem Fasten
  • schwerem Diabetes
  • katabolen Zuständen

Muskelmasse.


Deshalb kann unbehandelter Diabetes so aussehen:

  • hoher BZ
  • Gewichtsverlust
  • Muskelschwund
  • Müdigkeit

Weil: Trotz viel Zucker im Blut „denkt“ der Körper:

„Die Zellen hungern.“

Dann:

  • Glucagon hoch
  • Fettabbau hoch
  • Proteinabbau hoch
  • Ketonkörper hoch

Das ist der katabole Zustand.


Interessanter Punkt:

Bei Typ-2-Diabetes ist oft nicht nur Insulin das Problem.

Häufig ist auch:

zu viel Glucagon vorhanden.

Also:

  • Leber produziert weiter Glucose,
  • obwohl schon zu viel Zucker im Blut ist.

Deshalb wirken GLP-1-Medikamente auch über:

  • Hemmung der Glucagonfreisetzung.

Kurzschema

Hormon Grundmodus
Insulin Speichern, aufbauen
Glucagon Mobilisieren, abbauen

Stoffwechselwirkungen von Glucagon

Bereich Wirkung
Kohlenhydrate ↑ Glykogenolyse, ↑ Gluconeogenese
Fett ↑ Lipolyse, ↑ Ketogenese
Eiweiß indirekt ↑ Proteinabbau zur Glucosebildung

Man könnte fast sagen:

Glucagon ist das „Survival-Hormon“ zwischen zwei Mahlzeiten.

Cortisol und Adrenalin helfen mit — aber Glucagon ist der ruhige Nachtwächter, der nachts den Kühlschrank des Körpers plündert

Sehr gute Frage — und genau da wird Stoffwechsel plötzlich richtig interessant. Denn der Körper behandelt:

  • Fett allein
  • Zucker allein
  • Fett + Zucker

ziemlich unterschiedlich.

Und der entscheidende Dirigent dabei ist tatsächlich:

  • Insulin
  • Glucagon
  • plus der aktuelle Energiezustand.

Erstmal ganz grob:

Was will der Körper eigentlich?

Der Körper versucht ständig:

  1. Energie sofort bereitzustellen
  2. Überschüsse zu speichern
  3. Blutzucker stabil zu halten

Und dafür nutzt er unterschiedliche Wege.


1.) Fett allein essen

Zum Beispiel:

  • Öl
  • Butter
  • Speck
  • Nüsse fast ohne KH

Was passiert?

Blutzucker:

Steigt kaum.

Denn Fett wird nicht direkt zu Glucose.


Hormone

Insulin:

Nur wenig Anstieg.

Glucagon:

Bleibt relativ aktiv.

Der Körper ist also metabolisch eher noch im:

„Fasten-/Energiesparmodus“


Was passiert mit dem Nahrungsfett?

Die Fette werden im Darm zerlegt:

Triglyceride →

  • Fettsäuren
  • Monoglyceride

Dann:

  • Aufnahme in Darmzellen
  • dort wieder zu Triglyceriden zusammengesetzt

Der Körper ist herrlich ineffizient-effizient:

„Erst auseinanderbauen, dann wieder zusammensetzen.“ 😄


Transport

Dann Verpackung in:

Chylomikronen

Diese gehen:

  • erst ins Lymphsystem
  • dann ins Blut.

Was machen die Gewebe damit?

Enzym:

Lipoproteinlipase (LPL)

spaltet die Triglyceride wieder:

→ Fettsäuren gelangen:

  • in Muskel
  • Fettgewebe
  • Leber

Dann zwei Möglichkeiten:

Energiebedarf vorhanden

→ Fettsäuren werden verbrannt.

β-Oxidation in den Mitochondrien.


Energieüberschuss

→ Wiederaufbau zu Triglyceriden → Speicherung im Fettgewebe.

Also:

Fett aus Nahrung wird relativ direkt wieder zu Körperfett.

Das ist energetisch ziemlich effizient.


2.) Fett + Zucker zusammen

Jetzt wird’s metabolisch „wild“ 😄

Beispiel:

  • Donut
  • Pizza
  • Eiscreme
  • Schokolade
  • Pommes

Die Evolution hat vermutlich nicht vorgesehen:

„Hier, iss gleichzeitig konzentriertes Fett UND konzentrierte Kohlenhydrate.“

Der moderne Snack ist biochemisch ein kleiner Bosskampf.


Was passiert hormonell?

Zucker steigt →

viel Insulin

Und Insulin verändert ALLES.


Wirkung von Insulin

1. Glucose in Zellen

  • Muskel
  • Fettgewebe

2. Fettabbau STOPP

Insulin hemmt Lipolyse.

Also:

Der Körper verbrennt weniger eigenes Fett.


3. Fettspeicherung AN

Insulin aktiviert Speicherung.

Und jetzt kommt der wichtige Punkt:


Was passiert mit dem Nahrungsfett?

Da Insulin hoch ist:

  • wird weniger Fett verbrannt
  • das Nahrungsfett wird bevorzugt gespeichert.

Das ist metabolisch ziemlich logisch:

„Warum Fett verbrennen, wenn genug Zucker da ist?“

Der Körper nutzt eher:

  • Glucose als Sofortenergie und lagert:
  • Fett ein.

Wie wird Zucker zu Körperfett?

Das passiert vor allem bei:

  • Kalorienüberschuss
  • hohen KH-Mengen
  • vollen Glykogenspeichern

Der Weg:

Glucose → Fett

1. Glykolyse

Glucose → Pyruvat


2. Acetyl-CoA

Im Mitochondrium.


3. Lipogenese

Die Leber baut daraus:

  • Fettsäuren

Diese werden:

  • zu Triglyceriden
  • in VLDL verpackt
  • ins Fettgewebe transportiert.

Aber wichtiger Punkt:

Der Körper macht das nicht super gern.

Die direkte Umwandlung:

Zucker → Fett

ist energetisch aufwendiger als:

Nahrungsfett → Körperfett.

Darum ist:

  • Fett aus Nahrung oft sehr effizient speicherbar.

Interessanter metabolischer Effekt

Fett + Zucker zusammen

ist oft besonders „fettfördernd“.

Warum?

Weil:

  • Zucker → Insulin hoch
  • Insulin → Fettverbrennung runter
  • gleichzeitig viel Nahrungsfett vorhanden

Das Fett bekommt quasi:

„VIP-Zugang ins Fettgewebe.“


Und Glucagon?

Bei Fett allein:

  • eher aktiv
  • Fettverbrennung läuft

Bei Zucker + Fett:

  • Insulin dominiert
  • Glucagon wird gehemmt

Stark vereinfacht

Situation Insulin Glucagon Hauptbrennstoff
Fasten niedrig hoch Fett
Fett allein niedrig-mittel eher aktiv Fett
Zucker allein hoch niedrig Glucose
Fett + Zucker hoch niedrig Glucose, Fett wird gespeichert

Der eigentliche „Trick“ des Körpers

Der Körper liebt Stabilität.

Wenn gleichzeitig:

  • schnell verfügbare Energie (Zucker)
  • und hochenergetischer Speicherstoff (Fett)

ankommen, dann sagt er:

„Super. Den Zucker nehme ich sofort. Das Fett hebe ich mir für schlechte Zeiten auf.“

Leider leben schlechte Zeiten metabolisch heute eher selten 😄