Madeleine Leininger

Madeleine Leininger

und das Sunrise-Modell – Transkulturelle Pflege

1. Madeleine Leininger – Begründerin der transkulturellen Pflege

Transcultural Nursing Theory: Madeleine Leininger – The Art of Nursing: Humanizing Healthcare

Madeleine Leininger (1925–2012) war eine US-amerikanische Krankenschwester, Anthropologin und Pflegewissenschaftlerin. Sie gilt als Begründerin der transkulturellen Pflege (Transcultural Nursing) und entwickelte in den 1970er-Jahren das sogenannte Sunrise-Modell (Sonnenaufgangsmodell).

Leininger erkannte, dass Pflege nicht unabhängig von der Kultur eines Menschen betrachtet werden kann. Während ihrer beruflichen Tätigkeit beobachtete sie, dass Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit, Krankheit, Pflege und Heilung haben.

Sie beschäftigte sich deshalb bereits in den 1950er-Jahren mit dem Einfluss von Kultur auf das Gesundheitsverhalten und die Pflege. Durch die Verbindung von Pflegewissenschaft und Anthropologie entwickelte sie eine Theorie, die kulturelle Unterschiede systematisch in die Pflege einbezieht.

Ihr zentrales Anliegen war es, eine kulturell kongruente Pflege zu ermöglichen. Darunter versteht man eine Pflege, die mit den kulturellen Werten, Überzeugungen, Lebensweisen und Bedürfnissen des jeweiligen Menschen vereinbar ist.

Dabei geht es nicht darum, Menschen aufgrund ihrer Herkunft bestimmten Verhaltensweisen zuzuordnen. Vielmehr soll die Pflegekraft die individuelle kulturelle Prägung, die persönlichen Wünsche und die Lebensgeschichte des Menschen kennenlernen und berücksichtigen.

2. Das Sunrise-Modell nach Madeleine Leininger

sunrise-modell Das Sunrise-Modell, auch Sonnenaufgangsmodell genannt, ist ein theoretisches Modell zur Planung und Gestaltung einer kultursensiblen Pflege. Die Darstellung ähnelt einer aufgehenden Sonne. Ihre Strahlen symbolisieren unterschiedliche Einflussfaktoren, die auf die Vorstellungen eines Menschen von Gesundheit, Krankheit und Pflege einwirken.

Im Mittelpunkt des Modells stehen die kulturell geprägten Pflegevorstellungen und Pflegepraktiken sowie das ganzheitliche Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Die verschiedenen kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflussen diese Vorstellungen und wirken zusammen.

Leininger unterscheidet dabei verschiedene Einflussbereiche, die Pflegekräfte bei der Einschätzung und Planung der Pflege berücksichtigen sollen.

2.1 Die Einflussfaktoren des Sunrise-Modells

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  • Technologische Faktoren: Der Zugang zu medizinischen Geräten, modernen Behandlungsmethoden und technischen Hilfsmitteln sowie die persönliche Einstellung zu deren Nutzung.

  • Religiöse und spirituelle Faktoren: Religiöse Überzeugungen, Glaubensvorstellungen, Gebete, Rituale und spirituelle Bedürfnisse, die den Umgang mit Krankheit, Leid, Heilung und Sterben beeinflussen können.

  • Familiäre und soziale Faktoren: Die Bedeutung der Familie, Verwandtschaft, Partnerschaft und Gemeinschaft sowie die jeweiligen Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb dieser sozialen Strukturen.

  • Kulturelle Werte und Lebensweisen: Traditionen, Gewohnheiten, Ernährungsweisen, Vorstellungen von Körperpflege, Scham, Gesundheit und Krankheit sowie überlieferte Pflegepraktiken.

  • Politische und rechtliche Faktoren: Gesetze, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Aufenthalts- und Versorgungsregelungen sowie die Rechte und Möglichkeiten des Einzelnen im Gesundheitssystem.

  • Wirtschaftliche Faktoren: Einkommen, finanzielle Möglichkeiten, Beschäftigung, Wohnsituation und der Zugang zu medizinischer Versorgung und Pflege.

  • Bildungs- und Erziehungsfaktoren: Schulbildung, Gesundheitswissen, Erziehung, Erfahrungen und der Zugang zu Informationen über Gesundheit und Krankheit.

  • Sprachliche und kommunikative Faktoren: Muttersprache, Sprachkenntnisse, Kommunikationsgewohnheiten und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Informationen vermittelt und verstanden werden.

Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und prägen die individuelle Wahrnehmung von Gesundheit, Krankheit, Pflege und Behandlung.

2.2 Das Zentrum der Sonne

Im Zentrum des Modells stehen die kulturell geprägten Pflegevorstellungen, Pflegepraktiken und ganzheitlichen Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit.

Hier treffen die verschiedenen Einflussfaktoren aufeinander. Sie bestimmen mit, wie ein Mensch seine Gesundheit wahrnimmt, mit einer Erkrankung umgeht, Hilfe annimmt und welche Erwartungen er an die Pflege stellt.

Beispielsweise kann ein Patient aufgrund seiner religiösen Überzeugungen bestimmte Behandlungen ablehnen, aufgrund familiärer Traditionen die Einbeziehung von Angehörigen wünschen oder aufgrund früherer Erfahrungen ein besonderes Vertrauen in traditionelle Heilmethoden haben.

Das Modell verdeutlicht, dass professionelle Pflege diese Zusammenhänge erkennen und in die individuelle Pflegeplanung einbeziehen sollte.

2.3 Die drei Pflegebereiche unterhalb der Sonne

Unterhalb des zentralen Bereichs unterscheidet Leininger drei wesentliche Formen der Pflegeversorgung:

  1. Kulturell überlieferte Pflegepraktiken

Hierzu gehören traditionelle, familiäre und gemeinschaftlich überlieferte Formen der Pflege und Gesundheitsversorgung. Dazu zählen beispielsweise Hausmittel, traditionelle Heilmethoden, bestimmte Ernährungsgewohnheiten, familiäre Unterstützung und religiöse Rituale.

  1. Professionelle Pflege

Sie umfasst die wissenschaftlich fundierte und beruflich organisierte Pflege durch ausgebildete Pflegefachpersonen sowie die medizinische und therapeutische Versorgung. Sie orientiert sich an fachlichen Standards, wissenschaftlichen Erkenntnissen, rechtlichen Vorgaben und individuellen Pflegebedürfnissen.

  1. Pflege unter Berücksichtigung kultureller Faktoren

Hier werden kulturelle Pflegevorstellungen und professionelle Pflege miteinander in Beziehung gesetzt. Ziel ist es, eine Versorgung zu ermöglichen, die sowohl fachlich angemessen als auch mit den individuellen kulturellen Werten und Bedürfnissen des Menschen vereinbar ist.

Das Modell zeigt somit, wie traditionelle und professionelle Pflegevorstellungen berücksichtigt und miteinander in Einklang gebracht werden können, soweit dies medizinisch, ethisch und rechtlich vertretbar ist.

3. Die drei Handlungsweisen der kultursensiblen Pflege

Ein wesentlicher Bestandteil von Leiningers Theorie sind drei Möglichkeiten, wie Pflegefachpersonen kulturelle Bedürfnisse in die professionelle Pflege integrieren können.

1. Kulturelle Pflege bewahren und erhalten

(Culture Care Preservation / Maintenance)

Kulturelle Gewohnheiten und Pflegepraktiken, die für den Menschen wichtig und gesundheitlich unbedenklich sind, werden unterstützt und erhalten.

Beispiel: Ein Patient möchte vor dem Schlafengehen beten. Die Pflegekraft ermöglicht ihm die nötige Ruhe und Privatsphäre.

2. Kulturelle Pflege anpassen und aushandeln

(Culture Care Accommodation / Negotiation)

Die Pflege wird gemeinsam mit dem Patienten an seine kulturellen Bedürfnisse angepasst. Dabei werden individuelle Wünsche, pflegerische Möglichkeiten und medizinische Erfordernisse miteinander abgestimmt.

Beispiel: Ein Patient möchte aus religiösen Gründen bestimmte Speisen nicht essen. Die Pflegekraft klärt geeignete Alternativen mit der Küche ab und berücksichtigt dabei die medizinischen Ernährungsvorgaben.

3. Kulturelle Pflege neu gestalten und verändern

(Culture Care Repatterning / Restructuring)

Wenn bestimmte kulturell geprägte Gewohnheiten gesundheitsschädlich sind, wird gemeinsam mit dem Patienten nach einer gesundheitsfördernden Alternative gesucht. Dabei sollen wichtige kulturelle Werte möglichst erhalten bleiben.

Beispiel: Ein Patient verwendet ein traditionelles Hausmittel, das mit seiner verordneten Medikation Wechselwirkungen verursachen könnte. Die Pflegekraft klärt ihn über die Risiken auf und bespricht gemeinsam mit ihm eine sichere Alternative, die seine kulturellen Bedürfnisse berücksichtigt.

Die drei Handlungsweisen bilden die Grundlage für eine individuelle, kultursensible Pflege. Sie sind keine starren Stufen, sondern können je nach Situation miteinander kombiniert werden.

4. Werkzeuge für die kultursensible Pflege

Kultursensible Pflege beginnt nicht erst bei der Versorgung von Menschen aus anderen Ländern. Sie ist ein Bestandteil einer personenzentrierten Pflege und berücksichtigt die individuellen Lebensbedingungen, Werte und Bedürfnisse jedes Menschen.

Die folgenden Maßnahmen helfen dabei, eine kultursensible Pflege in der Praxis umzusetzen.

4.1 Kommunikation und Information

  • Mehrsprachige Hinweisschilder verwenden.

  • Informationsmaterialien und Flyer in verschiedenen Sprachen und mit verständlichen Bildern anbieten.

  • Bei Sprachbarrieren professionelle Dolmetscher oder geeignete Sprachmittlungsangebote einsetzen.

  • Bei Bedarf mehrsprachige Pflegefachpersonen einbeziehen.

  • Ausreichend Zeit für Gespräche, Aufklärung und Fragen einplanen.

  • Durch Rückfragen sicherstellen, dass Informationen verstanden wurden.

4.2 Religiöse und kulturelle Bedürfnisse berücksichtigen

  • Interreligiöse Gebets- und Rückzugsräume ermöglichen.

  • Religiöse und kulturelle Feiertage bei der Pflegeplanung berücksichtigen.

  • Individuelle Ernährungsgewohnheiten und religiöse Speisevorschriften beachten.

  • Persönliche Rituale, Gewohnheiten und Traditionen in den Pflegealltag integrieren, sofern möglich.

  • Religiöse und kulturelle Bedürfnisse im Rahmen der Lebensaktivitäten respektieren.

4.3 Vertrauen und Beziehung aufbauen

  • Eine vertrauensvolle Pflegebeziehung durch Wertschätzung, Respekt und Empathie fördern.

  • Interesse an der Biografie, Lebensgeschichte und den persönlichen Erfahrungen der Pflegebedürftigen zeigen.

  • Angehörige nach Wunsch des Patienten in die Pflege einbeziehen.

  • Individuelle Wünsche und Bedürfnisse erfragen, statt kulturelle Eigenschaften einfach vorauszusetzen.

  • Eine offene und vorurteilsfreie Haltung gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen entwickeln.

4.4 Organisation und institutionelle Rahmenbedingungen

  • Kultursensible Pflege im Leitbild der Einrichtung verankern.

  • Fort- und Weiterbildungen zu kultureller Vielfalt und kultursensibler Kommunikation anbieten.

  • Ein geeignetes Dokumentationssystem nutzen, um relevante kulturelle und religiöse Bedürfnisse festzuhalten.

  • Mitarbeitende für unterschiedliche kulturelle und religiöse Bedürfnisse sensibilisieren.

  • Organisatorische Voraussetzungen schaffen, damit individuelle Wünsche im Pflegealltag berücksichtigt werden können.

5. Anwendung des Sunrise-Modells in der Pflegepraxis

Das Sunrise-Modell kann als Orientierung bei der Pflegeanamnese, der Pflegeplanung und der Gestaltung der Pflegebeziehung dienen.

Anstatt einen Menschen ausschließlich anhand seiner Erkrankung oder seines Pflegebedarfs zu betrachten, werden auch seine persönlichen Lebensumstände, Werte und kulturellen Prägungen berücksichtigt.

Praxisbeispiel: Ein muslimischer Patient im Krankenhaus

Ein älterer muslimischer Patient wird nach einem Schlaganfall stationär aufgenommen. Er benötigt Unterstützung bei der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilisation.

Anwendung des Sunrise-Modells:

  • Religiöse Faktoren: Der Patient möchte seine täglichen Gebete verrichten. Die Pflege ermöglicht ihm nach Möglichkeit die nötige Zeit und einen geeigneten Rückzugsort.

  • Familiäre Faktoren: Seine Angehörigen sind ihm sehr wichtig. Nach seinem Einverständnis werden sie in Gespräche und die Pflegeplanung einbezogen.

  • Ernährung: Der Patient wünscht halal-konforme Speisen. Die Pflege klärt mit der Küche geeignete Mahlzeiten ab.

  • Kulturelle und persönliche Bedürfnisse: Bei der Körperpflege werden Schamgefühl, Privatsphäre und seine individuellen Wünsche bezüglich der Pflegeperson erfragt.

  • Kommunikation: Bei Sprachbarrieren wird ein professioneller Dolmetscherdienst organisiert, damit der Patient die Behandlung und Pflege verstehen und an Entscheidungen mitwirken kann.

  • Professionelle Pflege: Die Maßnahmen werden mit den medizinischen Erfordernissen, der Rehabilitation und den individuellen Fähigkeiten des Patienten abgestimmt.

Ziel: Eine fachlich angemessene und individuell angepasste Pflege, die die religiösen, familiären und persönlichen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt und seine Selbstbestimmung fördert.

6. Persönliche Ergänzungen und fachliche Einordnung

6.1 Kultur ist individuell

Ein wichtiger Aspekt, der in der praktischen Anwendung des Sunrise-Modells besonders beachtet werden sollte, ist die Gefahr der Kulturalisierung. Damit ist gemeint, dass das Verhalten eines Menschen vorschnell mit seiner Herkunft, Religion oder ethnischen Zugehörigkeit erklärt wird.

Nicht jeder Mensch einer bestimmten Religion oder Herkunft hat dieselben Bedürfnisse, Werte oder Gewohnheiten. Auch innerhalb einer Familie oder Gemeinschaft können erhebliche Unterschiede bestehen.

Deshalb sollte die Pflegekraft nicht fragen: „Was brauchen Menschen aus dieser Kultur?“, sondern vielmehr: „Was ist diesem Menschen persönlich wichtig?“

Die kulturelle Herkunft kann dabei ein hilfreicher Ausgangspunkt für Fragen sein, darf aber niemals die individuelle Einschätzung ersetzen.

6.2 Kultursensible Pflege ist keine Sonderpflege

Kultursensible Pflege sollte nicht als zusätzliche Leistung verstanden werden, die nur bei Menschen mit Migrationshintergrund erforderlich ist.

Auch Menschen ohne Migrationserfahrung haben kulturell geprägte Vorstellungen, beispielsweise hinsichtlich:

  • Ernährung und Essgewohnheiten

  • Familienstrukturen und Rollenverteilung

  • Nähe, Distanz und Schamgefühl

  • Umgang mit Krankheit, Schmerzen und Sterben

  • Selbstbestimmung und familiärer Entscheidungsfindung

  • persönlichen Ritualen und Lebensgewohnheiten

Kulturelle Vielfalt besteht somit in jeder Pflegeeinrichtung, unabhängig von der Zusammensetzung der Bevölkerung.

6.3 Grenzen der kultursensiblen Pflege

Kulturelle und religiöse Wünsche sollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Sie stehen jedoch nicht außerhalb der medizinischen, rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen.

Wenn eine gewünschte Maßnahme gesundheitliche Risiken birgt oder mit einer notwendigen Behandlung kollidiert, ist eine gemeinsame Lösung anzustreben. Dabei sind die Selbstbestimmung des Patienten, die Aufklärung, die fachliche Verantwortung und die geltenden rechtlichen Vorgaben zu beachten.

Eine kultursensible Pflege bedeutet daher nicht, jeden Wunsch uneingeschränkt zu erfüllen, sondern individuelle Bedürfnisse ernst zu nehmen, respektvoll zu kommunizieren und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.

6.4 Das Sunrise-Modell als praktische Orientierung

Meiner fachlichen Einschätzung nach liegt der besondere Nutzen des Sunrise-Modells darin, dass es Pflegekräfte dazu anregt, über die unmittelbare Erkrankung hinauszuschauen.

Es bietet eine strukturierte Orientierung, um unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit und Pflege eines Menschen zu erkennen. Es ist allerdings kein starres Erhebungsinstrument und ersetzt weder eine individuelle Pflegeanamnese noch pflegewissenschaftliche Standards oder klinische Entscheidungen.

Besonders hilfreich finde ich die Verbindung von drei Aspekten:

  • Wahrnehmen: Welche kulturellen, sozialen, religiösen und persönlichen Einflüsse sind für den Menschen relevant?

  • Verstehen: Welche Bedeutung haben diese Einflüsse für sein Gesundheitsverhalten, seine Pflegebedürfnisse und seine Wünsche?

  • Handeln: Wie können diese Bedürfnisse mit professioneller Pflege, medizinischen Erfordernissen und den verfügbaren Möglichkeiten vereinbart werden?

Gerade im Pflegealltag kann diese Vorgehensweise helfen, Missverständnisse zu vermeiden, Vertrauen aufzubauen und die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen zu stärken.

7. Zusammenfassung

Das Sunrise-Modell von Madeleine Leininger verdeutlicht, dass Gesundheit, Krankheit und Pflege durch zahlreiche kulturelle, soziale, religiöse, wirtschaftliche, politische und persönliche Faktoren beeinflusst werden.

Ziel der transkulturellen Pflege ist eine kulturell kongruente Pflege, die sich an den individuellen Werten, Überzeugungen, Bedürfnissen und Lebensweisen des Menschen orientiert.

Leininger beschreibt dafür drei grundlegende Handlungsweisen: die Erhaltung kulturell bedeutsamer Pflegepraktiken, die Anpassung und Aushandlung von Pflege sowie die gemeinsame Veränderung gesundheitsschädlicher Gewohnheiten.

Das Modell unterstützt Pflegefachpersonen dabei, kulturelle Unterschiede wahrzunehmen, individuelle Bedürfnisse zu verstehen und eine respektvolle, ganzheitliche und professionelle Pflege zu gestalten.

Merksatz für die Prüfung

Das Sunrise-Modell nach Madeleine Leininger zeigt, wie kulturelle, soziale, religiöse und gesellschaftliche Faktoren die Vorstellungen von Gesundheit, Krankheit und Pflege beeinflussen. Ziel ist eine kulturell kongruente Pflege, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt und professionelle Pflege mit kulturellen Wertvorstellungen in Einklang bringt.