Sputum

Sputum ist nur aussagekräftig wenn kein Speichel in der Probe enthalten ist  
Sputum ist ansteckend  
-> immer Handschuhe, ev. Mundschutz  
Becher mit Probe in Beutel ins Labor  

Sputum – was ist das eigentlich?

Sputum (Auswurf) ist Sekret aus den tieferen Atemwegen, das durch Husten nach außen befördert wird.

Wichtig ist die Abgrenzung zu Speichel:

  • Speichel: kommt aus Mund-/Rachenraum → für viele Untersuchungen ungeeignet.
  • Sputum: stammt aus Bronchien bzw. tieferen Atemwegen → diagnostisch relevant.

Deshalb sollte der Patient möglichst tief abhusten, statt lediglich Sekret aus dem Mund in den Becher zu spucken.

Merksatz: Sputum soll aus den Bronchien kommen – nicht aus der Spuckdrüse. 😉

Beobachtungskriterien

Bei der pflegerischen Beobachtung sind vor allem folgende Eigenschaften interessant:

Kriterium Möglicher Hinweis
Menge z. B. bei Bronchitis, Pneumonie, Bronchiektasen
Farbe Hinweise auf Art des Sekrets bzw. Blutbeimengungen
Konsistenz dünnflüssig, schleimig, zäh, schaumig
Geruch besonders auffällig bei bestimmten bakteriellen Infektionen/Abszessen
Beimengungen Blut, Eiter, Nahrungsbestandteile etc.
Farbe des Blutes frisch-rot vs. älteres/dunkleres Blut
Veränderung im Verlauf z. B. zunehmende Menge oder Blutbeimengung

Farbe und mögliche Ursachen

Die Farbe ist kein Beweis für eine bestimmte Erkrankung. Sie liefert lediglich einen Hinweis und muss zusammen mit Symptomen und Diagnostik betrachtet werden.

Sputum Mögliche Ursachen / Hinweise
klar/weißlich normales Bronchialsekret, chronische Reizung, Asthma etc.
gelblich entzündliches Sekret; z. B. bakterielle oder andere Atemwegsinfektion
grünlich häufig stark entzündliches/eitriges Sekret; bestimmte bakterielle Infektionen möglich
rostbraun klassisch beschrieben bei Pneumokokken-Pneumonie, aber nicht spezifisch
rosa/schaumig kann bei Lungenödem auftreten
hellrot/blutig Hämoptyse – Blut aus den Atemwegen; zahlreiche mögliche Ursachen
dunkelbraun/schwarz z. B. ältere Blutbeimengung oder inhalative Schadstoffe; abhängig vom Kontext

Gerade bei Blut im Sputum sollte man nicht vorschnell „Bronchitis“ denken. Ursachen reichen beispielsweise von entzündlichen Erkrankungen über Bronchiektasen bis hin zu Tumorerkrankungen oder einer Lungenembolie.

Konsistenz

Zähes Sputum kann beispielsweise bei Asthma, COPD oder einer Dehydratation auftreten.

Bei einer starken Sekretbildung kann das Sputum dagegen sehr reichlich und dünnflüssiger sein.

Besonders interessant ist schaumiges Sputum:

Bei einem akuten Lungenödem kann Flüssigkeit aus den Lungenkapillaren in den Alveolarraum gelangen. Beim Husten wird diese Flüssigkeit mit Luft vermischt → schaumiger Auswurf, teilweise rosa durch Blutbeimengung.

Sputum bei verschiedenen Erkrankungen

Ein paar typische Zusammenhänge für die Pflege:

Pneumonie

Typisch können sein:

  • vermehrtes Sputum
  • gelbliches/grünliches oder auch rostfarbenes Sputum
  • Husten
  • Dyspnoe
  • Fieber
  • reduzierter Allgemeinzustand

Aber: Eine Pneumonie muss nicht zwingend produktiven Husten verursachen, insbesondere bei älteren Menschen.

COPD / chronische Bronchitis

Häufig:

  • chronischer Husten
  • vermehrtes Sputum
  • häufig weißlich/gelblich
  • bei Exazerbation möglicherweise zunehmende Menge und eitrigeres Sputum

Hier ist deshalb die Veränderung gegenüber dem individuellen Normalzustand besonders wichtig.

Bronchiektasen

Hier können sehr große Mengen Sputum auftreten.

Das Sekret kann:

  • eitrig sein
  • unangenehm riechen
  • sich beim Stehenlassen teilweise in Schichten trennen.

Das ist tatsächlich ein ziemlich charakteristischer Befund.

Lungenödem

Möglicherweise:

rosa + schaumig + Dyspnoe

Das ist pflegerisch ein wichtiger Warnhinweis, weil ein akutes Lungenödem ein Notfall sein kann.

Tuberkulose

Bei pulmonaler Tuberkulose kann Sputum zur Diagnostik verwendet werden. Möglich sind:

  • Husten über längere Zeit
  • manchmal blutiges Sputum
  • Gewichtsverlust
  • Nachtschweiß
  • Fieber

Hier spielt außerdem der Infektionsschutz eine wesentlich größere Rolle als bei gewöhnlichem Sputum.

Was macht das Labor damit?

Und jetzt wird der Becher interessant. 😉

Je nach klinischer Fragestellung kann das Labor unterschiedliche Untersuchungen durchführen.

1. Mikroskopie

Das Sputum kann zunächst mikroskopisch untersucht werden.

Dabei kann man beispielsweise nach

  • Bakterien
  • Pilzen
  • Entzündungszellen
  • Epithelzellen
  • Blutbestandteilen

suchen.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Qualität der Probe.

Wenn unter dem Mikroskop hauptsächlich Plattenepithelzellen aus dem Mund zu finden sind, spricht das dafür, dass die Probe stark mit Speichel verunreinigt wurde.

Das ist genau der Grund, warum dein Satz

„Sputum ist nur aussagekräftig, wenn kein Speichel enthalten ist“

für die Praxis wichtig ist.

Ganz streng formuliert würde ich allerdings sagen:

Die Probe sollte möglichst wenig durch Speichel bzw. Mund-Rachen-Sekret verunreinigt sein.

Eine Probe kann also trotz etwas Mundsekret noch verwertbar sein.

2. Bakteriologische Kultur

Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion kann das Sputum kultiviert werden.

Vereinfacht:

Sputum → Nährmedium → Bakterien wachsen → Identifikation

Das Labor kann anschließend feststellen, welcher Erreger vorhanden ist.

Zum Beispiel können bei Atemwegsinfektionen unter anderem Pneumokokken, Haemophilus influenzae oder bestimmte Staphylokokken gefunden werden.

3. Antibiogramm

Wenn ein relevanter bakterieller Erreger gefunden wird, kann anschließend ein Antibiogramm durchgeführt werden.

Dabei wird geprüft:

Welche Antibiotika hemmen bzw. töten diesen Erreger?

Das ermöglicht eine gezieltere Antibiotikatherapie.

Das ist besonders wichtig bei resistenten Erregern.

4. PCR / molekularbiologische Diagnostik

Man kann außerdem nach dem Erbgut bestimmter Erreger suchen.

Das ist beispielsweise bei verschiedenen viralen Atemwegsinfektionen oder bei Mycobacterium tuberculosis relevant.

Dabei muss der Erreger nicht unbedingt erst in einer Kultur wachsen.

Vereinfacht:

Erreger vorhanden? → spezifische DNA/RNA nachweisbar?

Das kann wesentlich schneller gehen als eine klassische Kultur.

5. Tuberkulose-Diagnostik

Bei Verdacht auf Tuberkulose wird Sputum gezielt auf Mykobakterien untersucht.

Hier kommen beispielsweise

  • Mikroskopie auf säurefeste Stäbchen
  • PCR
  • kulturelle Anzucht

zum Einsatz.

Und hier ist die korrekte Probengewinnung und der Infektionsschutz besonders wichtig.

Wie gewinnt man Sputum richtig?

Für die Pflegepraxis würde ich es ungefähr so zusammenfassen:

  1. Patient informieren und Untersuchung erklären.
  2. Hände desinfizieren.
  3. Je nach Situation Handschuhe und ggf. weiteren Schutz verwenden.
  4. Sterilen bzw. dafür vorgesehenen Sputumbecher bereitstellen.
  5. Patienten möglichst aufrecht sitzen lassen.
  6. Wenn möglich vorher Mund ausspülen – nur mit Wasser, nicht mit Mundspüllösung.
  7. Mehrfach tief einatmen.
  8. Anschließend kräftig aus der Tiefe abhusten.
  9. Sputum direkt in den Becher geben.
  10. Becher sicher verschließen.
  11. Beschriften bzw. Identität prüfen.
  12. Probe entsprechend den lokalen Hygiene- und Transportvorgaben ins Labor geben.

Bei bestimmten Erregern gelten natürlich spezielle Schutzmaßnahmen.

Sputum ist nicht automatisch „ansteckend“

Deine Notiz würde ich hier etwas korrigieren:

Sputum ist ansteckend

besser:

Sputum kann infektiöse Erreger enthalten und ist deshalb grundsätzlich als potenziell infektiös zu behandeln.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Sputum von jemandem mit einer nichtinfektiösen Erkrankung ist natürlich nicht automatisch infektiös. Trotzdem gilt bei unbekannter Ursache: Standardhygiene beachten.

Bei Verdacht auf eine über die Luft übertragbare Erkrankung, insbesondere Tuberkulose, gelten zusätzliche Schutzmaßnahmen.

Für deine Pflegenotizen würde ich es so komprimieren

Sputum – Beobachtung & Diagnostik

Sputum: Auswurf aus den unteren Atemwegen; diagnostisch nur sinnvoll, wenn möglichst wenig Speichel-/Mundsekret enthalten ist.

Beobachten:

  • Menge
  • Farbe
  • Konsistenz
  • Geruch
  • Beimengungen, insbesondere Blut
  • Veränderung gegenüber vorherigen Proben

Mögliche Hinweise:

  • gelb/grün → entzündlich/eitrig
  • rostfarben → klassisch bei Pneumokokken-Pneumonie
  • rosa-schaumig → mögliches Lungenödem
  • blutig → Hämoptyse → Ursache abklären
  • große Sputummengen → z. B. Bronchiektasen

Labor:

  • Mikroskopie
  • Erregernachweis
  • Kultur
  • Antibiogramm
  • PCR/molekularbiologische Verfahren
  • ggf. spezielle Diagnostik auf Mykobakterien/Tuberkulose

Hygiene:

  • Sputum als potenziell infektiös betrachten
  • Standardhygiene beachten
  • bei entsprechender Infektionsgefahr zusätzliche Schutzmaßnahmen
  • verschlossenen, korrekt beschrifteten Behälter nach Vorgabe ins Labor transportieren.

Ein besonders schöner Prüfungszusammenhang ist übrigens „Sputumqualität“: viel Plattenepithel = wahrscheinlich viel Mund/Rachensekret = schlechte Probe. Das ist genau die Art von kleinem Detail, mit dem man in einer Prüfung zeigen kann, dass man nicht nur den Becher kennt, sondern auch versteht, was darin eigentlich diagnostisch brauchbar ist.