Trachealkanüle
Tracheostoma
Die Öffnung in der Luftröhre bzw. am Hals, die operativ oder interventionell geschaffene Verbindung zwischen der Trachea und der Hautoberfläche am Hals.
Trachealkanüle
Das Röhrchen im Tracheostoma, hält den Atemweg zugänglich und ermöglicht je nach Ausführung beispielsweise die Beatmung, die Absaugung oder das Atmen über den künstlichen Atemweg.
Eine Trachealkanüle wird nicht unbedingt benötigt, weil jemand nicht selbst atmen kann, sondern häufig, weil der natürliche Atemweg gesichert werden muss oder Sekretmanagement und Beatmung erleichtert werden sollen.
Warum bekommt jemand eine Trachealkanüle?
- Langzeitbeatmung: Nach schwerer Erkrankung kann eine längere Beatmung nötig sein. Eine Trachealkanüle ist dafür oft besser geeignet als ein Tubus durch den Mund.
- Verengter oder gefährdeter Atemweg: Beispielsweise bei Schwellungen, Tumoren oder nach bestimmten Operationen.
- Sekretmanagement: Bei neurologischen Erkrankungen oder Querschnittlähmung kann Husten zu schwach sein, um Sekret ausreichend abzutransportieren.
- Schutz des Atemwegs bei bestimmten Situationen: Etwa bei schweren neurologischen Störungen – wobei die Kanüle allein nicht zuverlässig vor Aspiration schützt.
Wie entwickelt sich das typischerweise?
1. Akutphase
Der Patient kann beispielsweise nach einem Schlaganfall, Trauma oder einer großen Operation nicht ausreichend atmen oder seinen Atemweg nicht sicher schützen. Zunächst wird häufig intubiert; bei längerem Bedarf kann eine Tracheotomie erfolgen.
2. Stabilisierung
Der Patient kann möglicherweise schon wieder selbstständig atmen, braucht aber weiterhin die Kanüle, etwa zum Absaugen, wegen eines unsicheren oberen Atemwegs oder wegen unzureichenden Hustens.
3. Entblocken und Entwöhnung
Wenn es klinisch vertretbar ist, wird der Cuff entblockt. Man prüft, ob genügend Luft am Cuff vorbei strömt, ob der Patient Sekret bewältigt und ob Atmung und Schlucken ausreichend sicher sind. Je nach Situation werden Sprechventil und später gegebenenfalls eine kleinere Kanüle erprobt.
4. Dekanülierung
Wenn die Kanüle nicht mehr benötigt wird und die Voraussetzungen erfüllt sind, wird sie entfernt. Das Tracheostoma kann sich anschließend verschließen.
Die geblockte Trachealkanüle dichtet die Trachea ab: Sie verhindert das seitliche Vorbeiströmen von Atemluft über Mund und Rachen sowie das Eindringen von Speichel in die Trachea.
Angesammeltes Sekret oberhalb des Cuffs kann bei entsprechender Kanüle über die subglottische Absaugung entfernt werden.
Kleine fachliche Ergänzung: Die Blockung verhindert das Eindringen von Speichel nicht vollständig. Auch bei geblocktem Cuff kann Sekret an den Cufffalten vorbei in die Trachea gelangen.
Warum kann jemand mit geblockter Kanüle selbstständig atmen?
Der Cuff dichtet die Trachea ab. Die Luft strömt dann durch die Kanüle direkt in die Lunge – die Nase und der Kehlkopf werden beim Atmen weitgehend umgangen.
Der entscheidende Unterschied: Selbstständig atmen zu können bedeutet nicht automatisch, ohne Trachealkanüle auszukommen. Dafür müssen auch der obere Atemweg ausreichend offen sein, Sekret bewältigt werden können und weitere Voraussetzungen erfüllt sein.
Gerade bei neurologischen Patienten kann die Kanüle also noch notwendig sein, obwohl die Beatmung bereits beendet wurde.
🚑 Erste Hilfe bei akuter Atemnot
- Hilfe rufen – Notfallteam bzw. zuständiges Fachpersonal alarmieren.
- Sprechventil, Kappe und HME („künstliche Nase“) entfernen, falls vorhanden.
- Sauerstoff geben – bei einer Tracheostomie nach Notfallstandard sowohl am Stoma als auch über Mund/Nase.
- Innenkanüle entfernen, falls vorhanden, und auf eine Verlegung prüfen.
- Absaugkatheter vorsichtig einführen: Lässt er sich nicht vorschieben, kann die Kanüle verlegt oder disloziert sein.
- Cuff entblocken, wenn die Atmung weiterhin beeinträchtigt ist und es der Notfallalgorithmus vorsieht.
- Bei anhaltender Verlegung oder fehlender Atmung: Notfallteam übernimmt die weitere Atemwegssicherung; eine nicht funktionierende Kanüle muss gegebenenfalls entfernt werden.
Diese Reihenfolge orientiert sich an etablierten Notfallalgorithmen. DOI
Wichtig für dich als Pflegefachkraft: Bei akuter Erstickungsgefahr nicht lange herumprobieren. Sofort Hilfe alarmieren und nach dem hausinternen Tracheostoma-Notfallalgorithmus handeln. Eine frisch angelegte Tracheotomie ist besonders kritisch, weil der Zugang noch nicht sicher ausgebildet ist.
🚑 Erste Hilfe bei Atemnot bei Beatmung
- Sauerstoff auf 100% drehen
- Hilfe holen
Wechsel der Trachealkanüle
| Maßnahme | Wer führt sie durch? |
|---|---|
| Innenkanüle wechseln | Geschultes Pflegepersonal |
| Gesamte Trachealkanüle bei etabliertem Tracheostoma wechseln | Je nach Qualifikation, Delegation und Hausstandard auch geschulte Pflegefachkräfte |
| Erster Kanülenwechsel nach frischer Tracheotomie | In der Regel ärztlich bzw. durch ein entsprechend erfahrenes, spezialisiertes Team |
| Kanülenwechsel bei Komplikationen oder schwierigem Atemweg | Ärztliches bzw. spezialisiertes Team |
Warum ist der erste Wechsel besonders kritisch?
Bei einem frisch angelegten Tracheostoma ist der Gewebekanal noch nicht sicher ausgebildet. Wird die Kanüle versehentlich entfernt oder falsch eingesetzt, kann ein falscher Weg entstehen. Dadurch droht eine lebensgefährliche Atemwegsverlegung.
Merksatz fürs Wiki: Der Kanülenwechsel ist nicht automatisch ausschließlich ärztliche Aufgabe. Entscheidend sind die Situation, die Qualifikation, eine zulässige Delegation und die geltenden Standards.