Ernährungssonden

Don, du hast den entscheidenden Punkt erwischt: Die Abkürzungen bezeichnen ursprünglich das Verfahren bzw. den künstlichen Zugang – werden im Pflegealltag aber auch für die Sonde selbst verwendet. Die Begriffe sind also tatsächlich nicht sauber voneinander getrennt. ukw.de

1. Was bedeuten die Buchstaben?

Buchstabe Bedeutung Deutsch
P Percutaneous Perkutan – durch die Haut
E Endoscopic Endoskopisch – unter Verwendung eines Endoskops
G Gastrostomy Gastrostomie – künstlicher Zugang zum Magen
J Jejunostomy Jejunostomie – künstlicher Zugang zum Jejunum

Das E steht tatsächlich für endoskopisch. Es beschreibt, wie der Zugang angelegt wird, nicht die Sonde als Gegenstand.

2. Zugang oder Sonde?

Hier liegt die begriffliche Unschärfe:

Begriff Streng genommen Im Pflegealltag
PEG Perkutan-endoskopische Anlage eines Zugangs zum Magen Häufig auch Bezeichnung für die liegende Sonde
PEG-Sonde Sonde, die durch den perkutan-endoskopisch angelegten Zugang in den Magen führt Eindeutige Bezeichnung für die Sonde
PEJ Perkutan-endoskopische Anlage eines Zugangs zum Jejunum Häufig auch Bezeichnung für die liegende Sonde
PEJ-Sonde Sonde, die durch die Bauchwand direkt ins Jejunum führt Eindeutige Bezeichnung für die Sonde

Diese Doppelverwendung ist auch in medizinischen Informationsquellen zu finden. ukw.de

Ein wichtiger Unterschied: PEG-J

Es gibt außerdem die PEG-J-Sonde: Dabei führt eine Sonde durch eine PEG-Öffnung im Magen weiter bis ins Jejunum.

Das ist nicht dasselbe wie eine PEJ, bei der die Sonde direkt durch die Bauchwand in das Jejunum führt. Cambridge University Hospitals

  • PEG-Anlage: das Verfahren zur Schaffung eines Zugangs zum Magen.
  • PEG-Sonde: der durch die Bauchwand in den Magen führende Schlauch.
  • PEJ-Anlage: das Verfahren zur Schaffung eines direkten Zugangs zum Jejunum.
  • PEJ-Sonde: der durch die Bauchwand direkt ins Jejunum führende Schlauch.
  • PEG-J-Sonde: eine Sonde, die über einen gastralen Zugang bis ins Jejunum reicht.

Merksatz: PEG und PEJ beschreiben den Zugang und das zugehörige Verfahren – im Sprachgebrauch stehen sie aber häufig auch für die darüber liegende Sonde. Gerne, Don. Für dein Wiki würde ich die transnasale Magensonde von PEG und PEJ abgrenzen und die verschiedenen Verwendungszwecke gemeinsam darstellen.

Magensonde – Arten und Verwendungszwecke

Eine Magensonde ist ein Schlauch, der über die Nase oder den Mund in den Magen eingeführt wird. Sie dient nicht nur der Ernährung, sondern auch der Medikamentengabe, der Ableitung von Mageninhalt und diagnostischen Zwecken. DocCheck Flexikon

1. Arten nach Zugangsweg

Bezeichnung Zugangsweg Besonderheit
NG-Sonde (nasogastral) Nase → Magen Häufig für kurzfristige Ernährung und Entlastung
OG-Sonde (orogastral) Mund → Magen Beispielsweise bei Neugeborenen oder wenn der nasale Zugang ungeeignet ist
PEG-Sonde Bauchwand → Magen Für längerfristige enterale Ernährung
Nasojejunalsonde Nase → Jejunum Ernährung unter Umgehung des Magens
PEJ-Sonde Bauchwand → Jejunum Direkter Zugang zum Jejunum :chatgpt-content-reference{index="1"}

2. Verwendungszwecke der Magensonde

Zweck Anwendung Beispiel
Ernährung Zufuhr von Sondennahrung Dysphagie nach Schlaganfall
Flüssigkeitszufuhr Zufuhr geeigneter Flüssigkeiten Ergänzung der Flüssigkeitsversorgung
Medikamentengabe Verabreichung geeigneter Arzneimittel Bei Schluckstörungen oder intubierten Patienten
Magenentlastung Ableitung von Mageninhalt Ileus, verzögerte Magenentleerung
Dekompression Ableitung von Luft und Flüssigkeit Aufgeblähter Magen, postoperative Darmatonie
Diagnostik Gewinnung von Magensekret Untersuchung des Magensafts
Magenaspiration Entfernung von Mageninhalt In ausgewählten Situationen, etwa bei bestimmten Intoxikationen
Spülung Einbringen einer Spülflüssigkeit Nur bei entsprechender Indikation, beispielsweise bei bestimmten gastrointestinalen Blutungen

Die konkreten Einsatzmöglichkeiten hängen vom Sondentyp, der Indikation und der ärztlichen Anordnung ab. shop.thieme.de

3. Zwei wichtige Unterscheidungen

Ernährungssonde ≠ Ablaufsonde

  • Ernährungssonde: dünner Schlauch zur Zufuhr von Nahrung, Flüssigkeit und gegebenenfalls Medikamenten.
  • Ablauf- bzw. Dekompressionssonde: dient der Ableitung von Mageninhalt und gegebenenfalls Luft. Bestimmte Modelle besitzen mehrere Lumina, um die Drainage zu ermöglichen und das Ansaugen der Magenschleimhaut zu reduzieren.

Magensonde ≠ immer Ernährungssonde

Der Begriff Magensonde beschreibt zunächst den Schlauch und seine Lage. Seine Funktion ergibt sich aus dem konkreten Sondentyp und dem Einsatzzweck. pflegewiki.uk-augsburg.de

Pflegehinweis: Vor der Verwendung muss die korrekte Sondenlage fachgerecht bestätigt sein. Das bloße Abhören eines vermeintlichen Luftgeräuschs über dem Magen ist dafür nicht zuverlässig genug. Eine Fehllage in den Atemwegen kann lebensgefährlich sein. pflegekanzler.de

Don, das ist eine interessante anatomische Frage – denn das Duodenum (Zwölffingerdarm) ist durchaus für eine enterale Ernährung zugänglich. Es gibt auch Sonden, die dort enden.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob man eine Sonde durch die Bauchwand direkt in ein Organ legt oder sie durch ein bestehendes Stoma bis in einen weiter distal gelegenen Darmabschnitt führt.

Die Bezeichnungen PEG und PEJ sind dabei nicht ganz symmetrisch aufgebaut.

1. Warum gibt es PEG und PEJ, aber kaum PED?

Die Abkürzungen bezeichnen den Zugangsweg und den Darmabschnitt:

Abkürzung Bedeutung Lage der Sonde
PEG Perkutane endoskopische Gastrostomie Magen
PEJ Perkutane endoskopische Jejunostomie Jejunum (Leerdarm)
PED Perkutane endoskopische Duodenostomie Duodenum (Zwölffingerdarm)

Tatsächlich gibt es auch eine PED! Sie wurde bereits in Fallberichten beschrieben. Sie ist aber keine etablierte Standardversorgung.

image

PubMed+1

2. Warum ist das Duodenum als Ernährungszugang ungünstiger?

Tá tràng là gì, nằm ở đâu? Vai trò và các bệnh thường gặp

Small Intestine #8 by Asklepios Medical Atlas / Science Photo Library

JaypeeDigital | Pancreas

5

Dafür gibt es mehrere anatomische und physiologische Gründe:

1. Das Duodenum liegt teilweise retroperitoneal.

Es ist größtenteils hinter dem Bauchfell fixiert und liegt eng am Pankreaskopf. Dadurch ist es schwieriger, einen sicheren Zugang von der Bauchwand aus zu schaffen.

Beim Magen ist die Anlage einer PEG vergleichsweise unkompliziert: Der Magen lässt sich endoskopisch auf die Bauchwand ausrichten und dort fixieren.

2. Das Duodenum ist relativ klein und beweglich.

Besonders der Übergang zum Jejunum ist ungünstig für einen direkten perkutanen Zugang. Eine sichere Punktionsstelle zu finden, ist technisch anspruchsvoll.

3. Das Duodenum ist ein sehr aktiver Verdauungsabschnitt.

Hier treffen Magensäure, Galle und Pankreasenzyme aufeinander. Die Nahrung wird intensiv mit Verdauungssekreten vermischt.

Für die Ernährung ist das Jejunum in vielen Fällen besser geeignet, wenn eine Ernährung unter Umgehung des Magens erforderlich ist.

Die direkte perkutane Anlage einer Duodenostomie ist daher technisch anspruchsvoll und wird nur in ausgewählten Fällen durchgeführt.

image

Gastrointestinal Endoscopy+1

3. Warum führt man die Sonde dann nicht einfach durch eine PEG ins Duodenum?

Genau das macht man tatsächlich!

Bayfront Health Digestive Health Institute – Complications of Pancreatitis

Endoscopic Management: Decompression and Feeding | Springer Nature Link (formerly SpringerLink)

Leistungen - Klinikum Dresden

6

Es gibt dafür die JET-PEG bzw. PEG-J:

  • Die PEG wird wie gewohnt in den Magen gelegt.
  • Durch die PEG wird eine dünnere Verlängerungssonde vorgeschoben.
  • Diese passiert den Pylorus (Magenpförtner).
  • Die Spitze wird im Jejunum positioniert.

Der Vorteil: Man benötigt keine direkte Punktion des Duodenums oder Jejunums durch die Bauchwand.

Die Verlängerung kann allerdings leichter verrutschen oder verstopfen als eine direkt angelegte PEJ.

image

fresenius-kabi+1

4. Warum nimmt man als Ziel das Jejunum und nicht das Duodenum?

Das Jejunum ist für die postpylorische Ernährung meist der sinnvollere Zielort.

Die Ernährung erfolgt damit:

  • unter Umgehung des Magens,
  • bei verzögerter Magenentleerung,
  • bei Unverträglichkeit einer gastralen Ernährung,
  • bei erhöhtem Aspirationsrisiko.

Die europäische Fachgesellschaft ESGE empfiehlt den gastralen Zugang als erste Wahl. Ein jejunaler Zugang wird vor allem bei entsprechenden Problemen mit der Magenfunktion oder erhöhtem Aspirationsrisiko gewählt.

image

Esge+1

Merksatz fürs Wiki

PEG → Magen | PEJ → Jejunum | PED → Duodenum (selten)

Das Duodenum ist nicht grundsätzlich ungeeignet für eine Ernährungssonde. Es ist nur anatomisch schwieriger direkt zu erreichen, und für die meisten Situationen bietet das Jejunum einen praktischeren postpylorischen Ernährungszugang.